FREIWILLIGES SOZIALES JAHR im Fachbereich Sozialpsychiatrie und Heilpädagogik

ANDREAS JERMUTUS, 20 Jahre. Er hat nach dem Realschulabschluss schon seinen Zivildienst gemacht und ein Jahr im Ausland verbracht. Zur Zeit wohnt er noch in Kempen, sucht aber ein – bezahlbares – Zimmer in Düsseldorf.

Wann haben Sie Ihr FSJ bei uns angefangen?

Ich habe am 1. April angefangen.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich arbeite in einem heilpädagogischen Wohnheim in Ratingen, in dem geistig oder schwerst mehrfach behinderte Erwachsene leben.

Wieso haben Sie sich für ein FSJ entschieden?

Ich habe eigentlich schon sehr viele Erfahrungen im sozialen Bereich gemacht, sogar schon meinen Zivildienst in der Altenpflege abgeleistet. Meine Mutter arbeitet auch im sozialen Bereich und ist darüber hinaus noch ehrenamtlich in der Kirche engagiert, wo ich auch in der Jugendarbeit aktiv war.  Soziales Engagement scheint bei uns in der Familie zu liegen, genau wie Auslandserfahrungen. Ich war ein Jahr in Australien, habe dort gejobbt und mir das Land angeguckt. Im FSJ möchte ich noch gezielter herausfinden, wo ich letztendlich im sozialen Bereich arbeiten möchte. Und es hat sicher auch was mit meinem Lebensmotto zu tun: Erfahrungen sammeln kann nicht schaden.

Wie sind Sie auf die Graf-Recke-Stiftung gekommen?

Über ein Internetportal, auf dem verschiedene Träger FSJ-Stellen anbieten.

Wie hatten Sie sich vor Beginn die Arbeit vorgestellt?

Durch meine ganz unterschiedlichen Erfahrungen, die ich bereits vorher mit sozialer Arbeit gesammelt habe, war ich relativ ruhig und gelassen.

Was ist tatsächlich so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Es ist eigentlich alles sogar noch besser als ich gedacht habe. Die Arbeit macht totalen Spaß.

Was ist ganz anders, als Sie es erwartet haben?

Manchmal ist es schwierig, damit umzugehen, wenn Bewohner aggressiv sind. Und vieles ist intensiver als zum Beispiel in einer Werkstatt für Behinderte, weil ich die Klienten ja in ihrem Zuhause begleite.

Wie sind die ersten Tage bei der Graf-Recke-Stiftung verlaufen?

Mir wurde alles sehr ausführlich gezeigt und man hat mir viele Infos über die Bewohner gegeben. Dabei habe ich viele für mich bisher fremde Fachbegriffe gelernt. Für mich ist kein fester Mitarbeiter zuständig , sondern derjenige, der gerade da ist. Das klappt gut.

Wie sieht jetzt Ihr Tag bei uns aus?

Ich arbeite nicht im Schichtdienst und bin auch nicht so in der doch recht umfangreichen Körperpflege eingespannt, sondern kann mich darauf konzentrieren, ganz individuell mit den einzelnen Bewohnern etwas zu machen. Jeder Tag ist dadurch anders. Außerdem wechsele ich alle zwei Wochen von einer auf die andere Gruppe, um eben letztendlich alle Bewohner kennen zu lernen und etwas mit ihnen zu unternehmen. Letztens war ich am Wochenende mit den Bewohnern bei einem Integrativen Sportfest, das hat allen großen Spaß gemacht und war eine tolle Abwechslung.

Wer oder was hilft Ihnen, mit der Arbeit zurecht zu kommen?

Die Kollegen geben mir viele Tipps und lassen mich an ihren Erfahrungen teilhaben. Und ich habe immer einen Ansprechpartner . Das ist schon prima, ich kenne es von früher auch anders.

Was gefällt Ihnen besonders gut?

Die Arbeit allgemein. Und dass den Bewohnern eben wirklich die Möglichkeit gegeben wird, ein Leben wie andere Menschen auch zu führen. Das ist im Ausland zum Beispiel nicht immer so. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind, dass ein Bewohner entscheiden kann, ob er lieber in Düsseldorf oder in Ratingen einkaufen geht. Wenn es irgendwie geht, werden seine Wünsche respektiert.

Was war Ihre bisher schwierigste Situation?

Der Einstieg. Man muss vieles verarbeiten, allein die ganzen neuen Leute, die man kennen lernt. Und  deshalb darf man gerade am Anfang nicht zu viel von sich verlangen. Und dann sind Siuationen schwer, in denen Bewohner aggressiv reagieren oder deine Grenzen nicht akzeptieren. Da hilft Erfahrung und das Besprechen mit den Kollegen.

Was haben Sie bisher für sich gelernt?

Ich sammele einfach weitere Erfahrungen. Etwas ganz Neues war bisher nicht dabei, ich entwickele mich einfach weiter.

Was können die Fachkräfte von Ihnen lernen?

Ich kann gut vermitteln und in stressigen Situationen ist mein Motto: Ruhe bewahren und tief durchatmen. Und weitermachen, auch wenn mal was blöd gelaufen ist.

Hat das FSJ einen Einfluss auf Ihre zukünftige Berufswahl?

Ich denke schon, weil ich in dem Jahr herausfinden möchte, welchen Beruf ich denn nun ganz konkret ergreife.

Was raten Sie einem Freund/ einer Freundin, der/ die überlegt, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu beginnen?

Ich rate auf jeden Fall dazu. Ein Jahr ist im Leben keine allzu große Zeitspanne, kann aber unheimlich viel an Erfahrungen bringen. Und dass man in dem Jahr finanziell keine großen Sprünge machen kann, finde ich nicht schlimm. Ich habe in Australien gelernt, hart am Limit zu leben. Das kann auch interessant sein. Erfahrungen sind für mich eben wichtiger als Geld!