Familien unterstützen

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Inzwischen hat Larissa ihr Studium an der Universität Köln begonnen. Die 19-Jährige hat sich für Sonderpädagogik eingeschrieben, um neben den Fächern Mathematik und Sozialwissenschaften Sonderpädagogik auf Lehramt zu studieren. Nach ihrer Studienzeit möchte sie als Lehrerin für geistig und körperlich behinderte Kinder arbeiten. Hätte man Larissa noch kurz nach ihrem Abitur gefragt, was sie einmal beruflich machen möchte, hätte man eine ganz andere Antwort erhalten. Da hatte sie sich nämlich in Mönchengladbach für ein betriebswirtschaftliches Studium entschieden. Dann aber kam alles ganz anders.

Beruflich ganz neu  orientiert

"Ich habe schnell gemerkt, dass das BWL-Studium für mich nichts ist", schildert die damals 18-Jährige. Sie entscheidet sich, das Studium abzubrechen und etwas ganz anderes zu machen: Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Und da sie mit ihrer Familie in Wittlaer wohnt und aus diesem Grund die Graf-Recke-Stiftung bereits kennt, liegt die Überlegung nahe, sich hier um eine Stelle zu bewerben. So informiert Larissa sich beim Familien unterstützenden Dienst der Graf Recke Erziehung & Bildung und entscheidet sich, die nächsten neun Monate ihrer gerade gewonnenen Zeit als Betreuerin eines behinderten Kindes einzusetzen.

Larissa hat Glück. Kurz zuvor ist beim Familien unterstützenden Dienst eine junge Frau, die als Betreuerin für eines der Kinder eingeplant war, abgesprungen. Und so kommt es, dass Larissa David kennenlernt. Der Zwölfjährige lebt mit seiner Familie ebenfalls in Düsseldorf und in den darauffolgenden neun Monaten sehen er und Larissa sich fünfmal die Woche zum Schulunterricht in der Wuppertaler Troxler Schule. Hier geht David zusammen mit anderen geistig und körperlich behinderten Kindern in den Unterricht. Als Larissa von ihrer zukünftigen Aufgabe hört, freut sie sich. Denn durch eine ihrer besten Freundinnen, die eine behinderte Schwester hat, ist ihr der Umgang mit Kindern vertraut und sie hat im Rahmen eines Schulpraktikums auch schon an der Schule der Schwester mit behinderten Kindern gearbeitet.

Ein Tag mit David

Larissas Wecker klingelt während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres montags bis freitags in aller Frühe. Die FSJlerin macht sich um 6.30 Uhr auf den Weg nach Wuppertal, um David pünktlich zu Schulbeginn in Empfang zu nehmen. Der Junge kommt mit dem Schulbus und wird jeden Morgen um acht Uhr von Larissa abgeholt. Sie fährt ihn in seinem Rollstuhl in die Klasse, wo David meist euphorisch von seinen elf Klassenkameraden begrüßt wird. "David ist bei allen sehr beliebt und für die meisten Mitschüler der beste Freund, wenn man sie danach fragen würde", berichtet Larissa mit einem gewissen Stolz auf ihren Schützling. Nach dem täglichen Morgenkreis um halb neun hat David meist eine Therapiestunde, zu der er von Larissa begleitet wird. So gehören zum Beispiel Physio- oder Badetherapie zu seinem Stundenplan. Ist Larissa nicht bei der Therapie dabei, unterstützt sie die zwei Lehrerinnen bei der Betreuung der anderen Kinder. Beim gemeinsamen Frühstück um zehn Uhr ist der Junge dann spätestens wieder dabei und Larissa sorgt dafür, dass er auch genug isst.

Dabei merkt sie schnell, ob David einen guten Tag hat oder ob er vielleicht etwas müde ist. Denn auch wenn David sich nicht durch Sprache mitteilen könne, merke sie immer, wie es ihm gerade geht. Generell sei der Junge immer gut gelaunt, deswegen wohl auch so beliebt bei den anderen Kindern, erzählt Larissa: "David hat eine starke Persönlichkeit und eine positive Ausstrahlung." Für sie habe seine Behinderung nie eine Rolle gespielt und letztlich denke sie auch gar nicht in dieser Kategorie: "Man hat die positiven Dinge gesehen. Also nicht, das kann er jetzt nicht, sondern das klappt jetzt und das hat er gemacht." Es habe viele Momente gegeben, die sie mit ihm geteilt hat und von denen sie viel habe mitnehmen können.

Während der Unterrichtszeit ist David bei möglichst vielen Aktivitäten dabei. Steht zum Beispiel das wöchentliche gemeinsame Kochen auf dem Stundenplan, sorgt Larissa dafür, dass er so oft wie möglich zusammen mit den anderen Kindern zu Mittag essen kann. Im Anschluss an das tägliche Mittagessen, das an den anderen Tagen geliefert wird, gibt es eine Mittagspause, zu der Larissa David aus dem Rollstuhl auf ein Liegekissen legt. Manchmal legt sie sich dann selber dazu und die beiden dösen zusammen oder entspannen einfach ein wenig. Die Zeit bis zum Schulschluss gestaltet sich unterschiedlich. Einmal pro Woche bringt Larissa ihren Schützling zur Musiktherapie und holt ihn anschließend wieder ab, um sich dann für diesen Tag von David zu verabschieden.  Denn um 15 Uhr fährt David wieder mit dem Schulbus zu seiner Familie nach Düsseldorf. Ist David dort angekommen, hat auch Larissa Feierabend.

Ohne David wäre es anders gekommen

Für Larissa steht fest: Ihr Einsatz als FSJlerin ist für sie und ihren weiteren Lebensweg von allergrößter Bedeutung. Ohne die Erfahrungen mit ihrem Schützling David und den anderen Kindern hätte sie nicht zu ihrem jetzigen Berufswunsch gefunden, weiß die 19-Jährige.

Larissas Fazit der neun Monate im Freiwilligen Sozialen Jahr fällt deshalb auch rundum positiv aus: "Ich wünsche jedem die Erfahrungen, die ich machen durfte!"

(Text: Sarah Lüning)