FREIWILLIGES SOZIALES JAHR im Fachbereich Sozialpsychiatrie und Heilpädagogik

KEREM BÖGE, 20 Jahre alt, ist nach dem Abitur aus Mülheim an der Ruhr nach Düsseldorf gezogen und arbeitet nun im "Gutshaus". Was er im FSJ gelernt hat? "Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung!"

Wann haben Sie Ihr FSJ bei uns angefangen?

Am 15. September 2010.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Im der Sozialpsychiatrie in einem Wohnhaus, dem sogenannten "Gutshaus", in dem Frauen und Männer leben, die – noch – ein hohes Maß an Betreuung brauchen.

Wieso haben Sie sich für ein FSJ entschieden?

Ich möchte praktische Erfahrungen vor meinem Studium der Psychologie sammeln. Dafür habe ich sogar meinen bereits zugesagten Studienplatz sausen lassen. Es ist mir wichtig, vorher zu sehen, um was es hinterher wirklich geht. Dann kann ich auch mein Studium ganz anders planen.

Wie sind Sie auf die Graf-Recke-Stiftung gekommen?

Ein Freund hat mir die Graf-Recke-Stiftung empfohlen. Ich habe mich beworben und dann ging alles sehr schnell und unkompliziert. Nach ein paar Tagen wusste ich schon, dass ich anfangen kann.

Wie hatten Sie sich vor Beginn die Arbeit vorgestellt?

Eigentlich ungefähr so, wie sie auch ist. Meine Mutter arbeitet im sozialen Bereich, von daher bin ich natürlich schon etwas "vorbelastet". Was ist tatsächlich so, wie Sie es sich vorgestellt haben? Die Arbeit, wie gesagt, und auch die Klienten habe ich mir so vorgestellt.

Was ist ganz anders, als Sie es erwartet haben?

Ich hatte nicht gedacht, dass so wenige der Bewohner sich in therapeutischer Behandlung befinden. Oft wird gesagt, dass sie sich für die gängigen Therapiemethoden nicht eignen. Und die wenigen Psychiater oder Psychologen, die mit ihnen arbeiten würden, haben eine ellenlange Warteliste. Für mein Studium natürlich eine interessante Fragestellung, welche der Methoden auch bei den Klienten greift, die Therapie nun wirklich nötig hätten.

Wie sind Ihre ersten Tage bei der Graf-Recke-Stiftung verlaufen?

Ich habe recht schnell meinen Rhythmus gefunden. Geholfen hat sicher, dass mit mir noch eine andere Mitarbeiterin angefangen hat. Wir haben uns gegenseitig unterstützt. Ich bin schnell Teil des Teams geworden und von den Bewohnern angenommen worden.

Wie sieht jetzt Ihr Tag bei uns aus?

Eigentlich immer unterschiedlich. Ich arbeite sehr personenbezogen. So ist es manchmal schon eine Aufgabe für mich, dass sich alle gemeinsam zum Essen an einem Tisch versammeln. Das wirkt nach außen nicht wie ein großes Ding, bedeutet aber für das Zusammenleben der Bewohner eine Menge. Ich bin auch oft bei Freizeitaktivitäten dabei, die Champions League war zum Beispiel eine tolle Sache. Oder ich übe mit den Leuten kochen. Auch an Gruppengesprächen nehme ich teil.

Wer oder was hilft Ihnen, mit der Arbeit zurecht zu kommen?

Zwei Mitarbeiterinnen sind feste Ansprechpartnerinnen für mich. Ich kann in den Gesprächen mit ihnen emotionalen Ballast verarbeiten.

Was gefällt Ihnen besonders gut?

Dass ich die Freiheit habe, auch eigene Ideen umzusetzen. Manchmal gefallen mir auch die kleinen Dinge besonders gut, die sich im engen Kontakt erleben lassen. Wenn ich mit einem der Bewohner zum Beispiel im Büro rappe.

Was war Ihre bisher schwierigste Situation?

Als ein Bewohner auf Drogen sehr aggressiv wurde. Das war für mich schon schwierig. Wir – eine andere Mitarbeiterin und ich – konnten uns Hilfe bei einem erfahrenden Kollegen holen. Aber im Nachhinein war es auch spannend, da ich durch solche Grenzsituationen natürlich ungeheuer viel lernen kann.

Was haben Sie bisher für sich gelernt?

Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung. Ich habe ehrenamtlich schon im Migrationsbereich und in sozialen Brennpunkten gearbeitet. Mit allen diesen Erfahrungen werde ich aus dem Studium sicher viel besser das herausziehen können, was ich im Anschluss dann auch wirklich brauche. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Was können die Fachkräfte von Ihnen lernen?

Unbeschwert, offen an die Dinge heranzugehen. Oder eine Sache einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zusehen. Und ich kann gut selbstständig arbeiten, eigene Themen setzen.

Hat das FSJ einen Einfluss auf Ihre zukünftige Berufswahl?

Ich habe das FSJ ja bereits gewählt, weil ich schon weiß, was ich machen will und dafür noch die entsprechende Praxis möchte.

Was raten Sie einem Freund / einer Freundin, der / die überlegt, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu beginnen?

Gut zu überlegen, wo und bei welchem Träger. Bei manchen wird man ganz schön ausgebeutet. Und man bekommt ohnehin nur wenig Geld für einen hohen Arbeitseinsatz. Dann muss wenigstens der Rest stimmen, dass die eigene Arbeit anerkannt wird und man die entsprechende Unterstützung bekommt.