FREIWILLIGES SOZIALES JAHR im Fachbereich Sozialpsychiatrie und Heilpädagogik

MARLEEN SCOBEL, 20 Jahre, wohnt in Düsseldorf. Sie hat bereits eine Ausbildung zur Kinderpflegerin gemacht und ihr Fachabitur im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen erworben.

Wann haben Sie Ihr FSJ bei uns angefangen?

Seit dem 1.August 2010, bin also schon relativ lange dabei.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

In einem Wohnheim für psychisch erkrankte Erwachsene. Wieso haben Sie sich für ein FSJ entschieden? Ich möchte zukünftig Sozialarbeit studieren. Das FSJ ist eine gute Möglichkeit, um Erfahrungen im sozialen Bereich zu sammeln. Aufgrund einer Ausbildung zur Kinderpflegerin und der Betreuung einer schwerbehinderten Frau war für mich relativ schnell klar, dass der soziale Bereich das ist, was mich interessiert und was zu mir passt.

Wie sind Sie auf die Graf- Recke- Stiftung gekommen?

Durch eine Freundin, die hier ebenfalls ihr FSJ absolviert hat.

Wie hatten Sie sich vor Beginn die Arbeit vorgestellt?

Ich hatte keine genauen Vorstellungen. Durch meine Freundin habe ich bereits erfahren, wie der Alltag ungefähr aussehen würde. Zu Beginn hatte ich Respekt davor, wie die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen wohl sein würde, aber mittlerweile bin ich traurig, dass meine Zeit hier bald zu Ende ist. Ich habe jedoch vor, während meines Studiums hier in anderer Form weiter zu arbeiten.

Was ist tatsächlich so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ich hatte mir im Vorfeld nicht so viele Gedanken darüber gemacht.

Was ist ganz anders, als Sie es erwartet haben?

Ich war sehr erfreut darüber, dass mich die Bewohner trotz meines Alters so gut angenommen haben. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen läuft ebenfalls gut. Das hätte ja auch anders kommen können.

Wie sind die ersten Tage bei der Graf-Recke-Stiftung verlaufen?

Zunächst konzentrierte sich die Einarbeitung auf Routinetätigkeiten, wie das Kennenlernen der Klienten, die Vorstellung bei der Apotheke und bei den Ärzten etc.. Alles Weitere folgte mit der Zeit, so dass ich auch die Möglichkeit bekam, selbstständig handeln zu können und eigene Ideen und Wünsche umzusetzen.

Wie sieht Ihr Tag bei uns aus?

Ich unterstütze und begleite die Bewohner bei alltäglichen Aufgaben, wie Wäsche waschen, Aufräumen, Einkaufen, zu Arztbesuchen u.v.m.. Außerdem bereite ich zusammen mit einem Klienten und der Hauswirtschaftskraft das Mittagessen vor. Die Mahlzeiten wie Frühstück, Mittagessen und Abendbrot finden dann gemeinsam im Gruppenraum statt. Besonders Spaß macht mir jedoch die Sportgruppe, die ich zusammen mit einer Anerkennungspraktikantin leite. Überhaupt finde ich die Freizeitaktivitäten sehr sinnvoll, da sie nicht nur gut von den Bewohnern angenommen werden sondern sie somit auch mal raus kommen, was ihnen alleine oft nicht so leicht fällt. Zusätzlich biete ich einen Spielenachmittag als Wochenausklang an und jahreszeitbezogene Tätigkeiten, wie Kürbislaternen basteln, Plätzchen backen usw.

Wer oder was hilft Ihnen, mit der Arbeit zurecht zu kommen?

Die Mitarbeiter an erster Stelle, aber auch die Bewohner.

Was gefällt Ihnen besonders gut?

Tätigkeiten, bei denen ich selbstständig und eigenverantwortlich handeln kann, wie z.B. die Sportgruppe. Außerdem begleite ich regelmäßig eine Klientin bei den Besuchen zu ihren Kindern, die beim Ex-Mann leben. Was ich auch sehr interessant fand und somit jedem FSJ-ler empfehle, ist es zu hospitieren. Es ist eine gute Möglichkeit um auch die anderen Bereiche, wie das BeWo (Betreutes Wohnen) und Außenwohngruppen kennen zu lernen. Mir persönlich gefällt es hier im Wohnheim am Besten. Es ist wie ein familiäres Generationenhaus, da man im Vergleich zu den anderen Bereichen sehr viel Kontakt zu den Bewohnern hat. Die Gespräche mit der Bereichsleiterin Frau Reuber haben mir auch weiter geholfen. Ich habe viel über die Entstehungsgeschichte der Stiftung erfahren und einige Krankheitsbilder kennengelernt.

Was war Ihre bisher schwierigste Situation?

Der Erstkontakt mit den Bewohnern des Hauses, da ich noch sehr jung bin. Auch als ich das erste Mal alleine (bei dem ersten Treffen war der Bezugsmitarbeiter dabei) mit der Klientin zu ihren Kindern und zu ihrem Ex-Mann gefahren bin. Ich war mir nicht sicher, wie die Klientin alleine mit ihren Kindern umgeht und allgemein wie das Treffen ablaufen würde. Diese anfänglich "schwierigen Situationen" haben sich jedoch schnell zum Gegenteil entwickelt. Die Arbeit in diesem Bereich macht mir einfach Spaß. Vor allem aber schätze ich das gute Zurechtkommen mit dem Team und dass sie stets an meiner Seite stehen um mich zu unterstützen.:)

Was haben Sie bisher für sich gelernt?

Eine ganze Menge. Ich bin eine zuverlässige Person und arbeite sehr selbstständig. Stressige Situationen machen mir weniger Angst, weil ich schon mehrfach erfahren habe, dass ich damit fertig werde. Es gibt mir Selbstvertrauen zu wissen, dass ich belastbar bin. Jedoch bin ich keine Einzelkämpferin, sondern komme auch gut im Team zurecht.

Was können die Fachkräfte von Ihnen lernen?

Die Lebensfreude und den nicht so fachlichen Blick auf das Geschehen.

Hat das FSJ einen Einfluss auf Ihre zukünftige Berufswahl?

Das FSJ hat meinen zukünftigen Studienwunsch noch bestärkt. Jetzt weiß ich ganz konkret, was ich machen will. Und das motiviert mich natürlich fürs Studium.

Was raten Sie einem Freund/ einer Freundin, der/ die überlegt, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu beginnen?

Ich würde demjenigen raten, ein FSJ zu machen, weil man so viele neue Eindrücke bekommt und viel über sich selbst erfährt, was man immer gebrauchen kann, egal, was man später macht. Das FSJ ist ein guter Grundbaustein für das zukünftige Leben.