Senioren betreuen

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Von Birgit Kleekamp, Leiterin der Senioreneinrichtungen Walter-Kobold-Haus und Zum Königshof in Düsseldorf

Im Gesundheitswesen und in der stationären Altenarbeit haben die Dienste von Freiwilligen immer einen festen Platz gehabt. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als dieser Dienst 18 Monate und länger gedauert hat – da konnten schon Entscheidungen fürs Leben getroffen werden. Nicht selten haben sich junge Männer nach Erfahrungen im Bereich der Pflege dazu entschlossen, in die Pflegeausbildung zu gehen und aus dem zeitlich begrenzten Einsatz eine Lebensaufgabe zu machen.

Die schrittweise Verkürzung des Zivildienstes auf nur noch sechs Monate hat dazu geführt, dass dieser Dienst nur "abgerissen" wird. Ein "Einlassen" auf diese Tätigkeit ist nach einer angemessenen Einarbeitung und den notwendigen Lehrgängen kaum noch möglich – schließlich muss ja auch der Urlaub geplant und der Abschied vorbereitet werden. Viele Zivildienststellen nehmen bereits Abstand von dieser liebgewordenen Institution, weil es aufwändig und zeitintensiv ist, junge Menschen in ein so schwieriges Lebensumfeld wie eine stationäre Altenpflegeeinrichtung einzuführen, sie in der anspruchsvollen Arbeit zu begleiten und für den Dienst zu befähigen. Schließlich müssen hier Erfahrungen wie Leid, Krankheit, Alter, Demenz und Sterben verarbeitet werden. Und schließlich soll die Zeit und Kraft der hauptamtlich Mitarbeitenden den zu betreuenden Menschen zugutekommen und nicht in erster Linie der Begleitung und Anleitung von Zivis.

Das Fazit lautet also: Schade, dass dieser Dienst, der unserer Gesellschaft und nicht zuletzt auch den jungen Männern etwas fürs Leben mitgeben kann, seinem Ende zugeht. Schön aber, dass es eine Perspektive gibt, die nicht nur jungen Männern einen sozialen Einsatz ermöglicht: In den letzten Jahren nimmt die Zahl der jungen Männer und Frauen zu, die ein Freiwilliges Soziales Jahr, kurz FSJ, ableisten. Dieses FSJ bietet die Möglichkeit, sich nach Abschluss der Schulausbildung zu orientieren, einen sozialen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und sich schon mal im Arbeitsleben etwas umzusehen oder zu erproben, ob das angestrebte Berufsfeld das Richtige ist.

Aus Sicht der Einrichtung ist das FSJ eine hochwillkommene Unterstützung. Es steht Männern wie Frauen offen und beruht völlig auf einer freiwilligen Entscheidung. Diese Freiwilligkeit ist auch oft an der Motivation und dem Arbeitseifer der Teilnehmer abzulesen!

FSJler sind zwar etwa doppelt so teuer wie Zivis, dafür sind sie aber auch ein volles Jahr in der Einrichtung. Einsatzmöglichkeiten der FSJ-Kräfte sind je nach persönlicher Neigung und Eignung in den Bereichen Pflege, Sozialtherapeutischer Dienst oder auch Hauswirtschaft möglich. Sie werden eingebunden in die Arbeitsabläufe und bekommen nach einer angemessenen Einarbeitung auch schon mal eigene Aufgabenbereiche. FSJler sind vollwertige Teammitglieder und immer gern gesehen!