"Essen hält Leib und Seele zusammen" – unsere Ernährungsangebote

Mit zunehmendem Alter kannn es passieren, dass durch einige Erkrankungen der Schluckreflex oder der Bewohner motorisch eingeschränkt und nicht mehr in der Lage ist, Gabel und Messer zu halten. Erkrankungen, wie Demenz können dazu führen, dass ein Bewohner nicht zur Ruhe kommt, sich nicht hinsetzten kann sondern den ganzen Tag im Hause hin und her läuft. „Da finden wir Lösungen, die den betreffenden Bewohnern die Möglichkeit geben, mit seinen Möglichkeiten möglichst viel Lebensqualität aus den Mahlzeiten zu gewinnen“, sagt Claudia Kersten. „Hier sind wir als Fachkräfte gefragt, passende Formen der Nahrungsaufnahmen zu finden.“ Einige Beispiele:

Zum Beispiel „Läufer“

Es gibt Bewohner, die aufgrund ihrer Demenz einen so hohen Aktivierungsgrad haben, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich zum Essen an den Tisch zu setzten. Sie sind dauernd auf den Beinen und laufen umher, sehr oft mehrere Stunden am Tag. Durch die sehr hohe Aktivität am Tag verbrauchen deutlich mehr Kalorien als normal aktive Senioren. Bei einem Senior mit durchschnittlicher Größe und Gewicht gehen wir von einem Kalorienbedarf von1.170kcal für Frauen bei einem Gewicht von 55 Kilogramm und bei Männern von 1.410 kcal bei einem Gewicht von 68 Kilogram am Tag aus (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Ein so genannter Läufer dagegen benötigt für die eben aufgeführten Gewichte ca. die doppelte Menge am Tag. Hier gilt es zu schauen, wie man diesen Bewohnern Essen anbieten kann damit sie die Chance haben ihren Kalorienedarf zu stillen. Wir halten im Walter-Kobold-Haus und im Seniorenzentrum zum Königshof an den Laufwegen (die sehr oft immer gleich sind) an vielen Stellen Essen zur Selbstbedienung bereit oder geben dem Bewohner etwas zu Essen mit auf den Weg: hier mal ein Teller mit Keksen auf dem Tisch, da mal eine Obstschale und eine appetitlich angerichtete „Stulle“, die im Laufen gegessen werden kann. Wir nutzen jede Chance der Nahrungszufuhr!

Zum Beispiel „motorisch eingeschränkt“

Für die meisten Bewohner gehört es zur Lebensqualität, möglichst lange ohne fremde Hilfe bei der Nahrungsaufnahme auszukommen. Ist ein Bewohner motorisch eingeschränkt und kann zum Beispiel nur noch eine Hand für die Nahrungsaufnahmen nutzen gibt es zur selbstständigen Nahrungsaufnahmen beim Frühstück ein Frühstücksbrettchen, in das stupfe Nägel angebracht sind, auf denen man die Brotscheibe „aufspießen“ kann, damit sie bei dem Versuch des Schmierens nicht wegrutscht. Für das Mittagessens gibt es die Möglichkeit, dem Bewohner „Fingerfood“ anzubieten - es kommt dann nur Essen auf den Teller das mit Fingern gegessen werden kann und nicht geschnitten werden oder geschöpft werden. Die Alternative dazu ist, dass die Mitarbeiter der Pflege den Bewohnern, die dieses Angebot ablehnen, bei der Nahrungsaufnahme behilflich sind.

Zum Beispiel „Schluckbeschwerden“

Grundsätzlich müssen die Schluckbeschwerden immer medizinisch abgeklärt werden. Hier müssen sowohl beim Essen wie auch beim Trinken alternative Möglichkeiten der Nahrungsaufnahmen genutzt werden. Mancher Bewohner kommt mit einer Trinkhilfe aus: einem Becher mit einem Deckel, an dem ein sogenannter Schnabel angebracht ist. Diese „Schnäbel gibt es in unterschiedlichen Öffnungsgrößen so dass sie für Getränke und auch für Suppe genutzt werden können. Für manche Bewohner reicht diese Unterstützung nicht aus. Hier muss das Getränk mit einem „Andickpulver“ in eine Konsistenz gebracht werden, die etwas breiig ist, damit sich der Bewohnern bei der Einnahme nicht verschluckt. Die Getränke werden dann dem Bewohner mit Löffel angeboten. Das Mittagessen kann für diese Bewohner nur in passierter Form aufgenommen werden. Hier gilt es das Nahrungsangebot in die passende Zustandsform zu bringen, die der Bewohner zu sich nehmen kann, aber optisch appetitlich aussieht.

Zum Beispiel "zu niedriger BMI"

Ob ein Mensch Unter-, Normal- oder Übergewicht hat, wird anhand des Body-Mass-Index' (BMI= Körpergewicht in kg/Körpergröße zum Quadrat in m2) erhoben. Berücksichtigt wird also bei der Beurteilung des Körpergewichtes die Körpergröße. Der durchschnittliche BMI für einen Menschen ab 65 Jahre liegt zwischen 24 und 29. Hat ein Bewohner vor Einzug oder auf Grund von Erkrankungen deutlich an Gewicht verloren, bieten wir ihm kalorienreiche Speisen an. Dazu gehört ein hochkalorisches dreigängiges Mittagessen, das komplett 900 kcal beinhaltet. Diese Bewohner können jeden Nachmittag ein Stück Sahnekuchen essen, bekommen Croissants zum Frühstück und hochkalorische Zwischenmahlzeiten. auch hier werden alle Möglichkeiten genutzt Kcal anzubieten.

Zum Beispiel "zu hoher BMI"

Hat ein Bewohner einen zu hohen BMI ab 31, wird ihm angeboten, eine Ernährungsplanung zur Reduktion des Gewichtes zu erstellen. Dies geht nur in Absprache mit dem betreffenden Bewohner. Hier wird abgesprochen, in welchen Schritten das Gewicht reduziert werden kann und welche Wege der Bewohner bereit ist zu gehen, auf was er verzichten kann und auf was auf gar keinen Fall. Um diese Wünsche und Bedürfnisse herum wird von unserer Seite eine Ernährungsplanung geschrieben, die sich dann alle Beteiligten halten (Bewohner, Pflege, Hauswirtschaft). Auf Grund der Vielfältigkeit unserer Gesellschaft sind wir auch in der Lage, individuelle Gewohnheiten und Vorgaben anderer Religionen umzusetzen. Gerade in der Hitzeperiode ist ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf zu stillen. Einige Bewohner können den erhöhten Bedarf für sich nicht mehr feststellen beziehungsweise umsetzten. Hier ist der Bereich Pflege und Hauswirtschaft gefragt, die Bewohner immer wieder an das Trinken zu erinnern und Ihnen nach Möglichkeit unterschiedliche Getränke anzubieten um den Reiz der Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen. Ganz frisch wurde dazu eine Idee eines Wohnbereiches aufgenommen, dementen Bewohnern, die die Notwendigkeit des Trinkens nicht mehr umsetzen können, ein ganz einfaches Wassereis (Plastikschlauch mit Geschmacksintensivierten Wasser) aufzuschneiden und in die Hand zu drücken.

Wir stellen uns gerne jeden Tag neu den Herausforderungen Lösungen für schon bekannte oder auch neu auftretenden Bedarf in der Ernährung zu finden, damit unseren Bewohnern so viel Lebensqualität wie möglich erhalten bleibt.

Claudia Kersten, Leiterin Hauswirtschaft in den Düsseldorfer Seniorenzentren Walter-Kobold-Haus in Wittlaer und Zum Königshof in Unterrath