Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Graf Recke Stiftung

Wir nehmen minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung Erwachsener im Rahmen des § 34 SGB VIII (stationäre Betreuung) sowie § 42 (Inobhutname) auf und sind anerkannte Clearingstelle.

In unseren Gruppen und Apartments leben aktuell über 80 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ab 14 Jahren in fünf intensivpädagogischen oder Verselbständigungsgruppen sowie einer Maßnahme der Flexiblen Einzelfallhilfe. Dies ist im Einzelfall zu entscheiden und richtet sich nach dem Unterstützungsbedarf der Jugendlichen. Die Anfragen mit der Bitte um Unterstützung werden bisher von Düsseldorf und den großen Kommunen in Nordrhein-Westfalen gestellt.

Die Jugendlichen stammen aus Afghanistan, Albanien, Eritrea, Guinea, Iran, Irak, Marokko, Nigeria, Syrien und Tunesien. Die grundsätzliche Zuordnung zur Kategorie der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge geschieht zunächst aufgrund der Angabe des jungen Menschen, minderjährig zu sein nachdem dieser von den Bundesbehörden aufgenommen wurde. Danach erfolgt die Inobhutnahme durch das zuständige Jugendamt und eine Unterbringung in einer Inobhutnahmeeinrichtung wie den unseren. Die Verfahren hierzu sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich.

Im Rahmen des Clearings wird unter anderem ermittelt, ob es Verwandte gibt, die den Minderjährigen versorgen und vertreten können. Ist das nicht der Fall bekommt der Jugendliche eine gesetzliche Betreuung gestellt. Im Clearing wird geprüft, welcher Hilfebedarf im Sinne der Jugendhilfe besteht und in die Wege geleitet. Es wird eine psychosoziale Begutachtung durchgeführt und die »Fluchtgeschichte« erarbeitet. Vor allem wird hier aber der allgemeine Unterstützungsbedarf ermittelt und festgestellt welche Wohnform der Jugendliche benötigt. Ein Clearing dauert in der Regel maximal drei Monate.

Im Anschluss daran leben die Jugendlichen dann in einer ihrem Unterstützungsbedarf entsprechenden Wohnform. Dies kann von einer intensiv betreuten Wohngruppe bis hin zur Wohngemeinschaft mit sozial betreutem Wohnen gehen. In einigen Fällen sind jedoch nur Teile des Clearings abgeschlossen. Die fehlenden Elemente werden dann in nachfolgende Betreuung übernommen und fortgeführt, Teile des Clearings werden dazu durch die betreuenden pädagogischen Fachkräfte oder externe Therapeuten übernommen. Insbesondere die traumatischen Erlebnisse aus den Herkunftsländern vor allem aber auch auf der Flucht machen häufig eine langfristige Unterstützung erforderlich. Wir kooperieren hier eng mit andern Stellen, zum Beispiel der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Die meisten der bei uns untergebrachten Kinder und Jugendlichen leben in stationären Angeboten. Einige fanden einen Platz in unseren Intensivwohngruppen. Das liegt daran, dass sie auf der Flucht dramatische Dinge erlebt haben und vielfach traumatisiert sind. Sie haben andere Menschen, die ihnen zum Teil nahe standen auf der Flucht sterben sehen, sind in Ländern, die sie durchreist haben, misshandelt worden. Auch kommen sie meist aus krisenbelasteten Gebieten, großer Armut oder hochproblematischen familiären, politischen oder religionspolitischen Situation. Die Jugendlichen haben großen Mangel bezüglich der Grundbedürfnisse erlebt: Hunger, Durst, keinen sicheren Ort. Die ärztliche Versorgung ist – nicht nur in der Zeit der Flucht – oft unzureichend gewesen. Deshalb benötigen sie eine besonders enge Begleitung – im Alltag, therapeutisch und auch medizinisch.

Unsere Unterstützung kann auch über das 18. Lebensjahr hinaus gehen. Für viele Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist jedoch auch ein Wohnplatz in einem niederschwelligen Angebot mit Verselbständigungsausrichtung sehr gut geeignet. Die individualisierte Betreuung und starke Bedarfsorientierung kommt ihnen dort ebenso entgegen wie die Möglichkeit sehr vieles in ihrem Alltag selbst zu bestimmen und zu entscheiden – Verantwortung für sich selbst zu übernehmen haben sie auf ihrer Flucht zwangsläufig gelernt.

Weiterführende Links:

Aufnahmegruppe Düsseldorf-Wittlaer

Spendenseite für Flüchtlinge in der Graf Recke Stiftung

fluechtlinge.wdr.de -Serviceseiten des WDR für Flüchtlinge und Helfer

refugees.wdr.de - Serviceseiten des WDR für Flüchtlinge und Helfer in englischer Sprache

Ansprechpartner

Dirk Keller
dirk.keller@graf-recke-stiftung.de

Wir stellen zusätzliche Fachkräfte für unsere Arbeit mit den minderjährigen Flüchtlingen ein:
BewerbungEB@graf-recke-stiftung.de
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Chinonso, 19, stammt aus Nigeria. An seine Flucht kann er sich nicht erinnern. Er lebt in der Außenwohngruppe Duisburg-Huckingen und macht jetzt eine Lehre als KFZ-Mechatroniker. Er ist Fußballfan und spielt selbst beim TuSpo Huckingen.
Harun, 19, kam aus dem Irak nach Deutschland. Heute lebt er in einem Apartment in Krefeld. Er interessiert sich für Geschichte und liest gern die arabischen Wikipedia-Seiten.
Arman, 17, floh aus dem Iran nach Deutschland. Im Frühjahr gewann er die Deutsche U18-Judo-Meisterschaft in seiner Gewichtsklasse. Er lebt in einem Apartment in Düsseldorf.