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Gefahrenabwehr Selbst- u. Fremdgefährdung

In der Arbeit mit Problem belasteten jungen Menschen treten Situationen auf, in denen Bewohner/Betreute sich und andere durch ihr Verhalten gefährden. Es ist Aufgabe der betreuenden Fachkräfte, in solchen Situationen angemessene und wirksame Maßnahmen zum Schutz der jungen Menschen selber, ebenso auch zum Schutz anderer junger Menschen sowie der Fachkräfte oder weiterer Personen zu treffen. Hierbei ist unter Umständen der Einsatz von Zwangsmaßnahmen und Selbstschutztechniken zum Zwecke der körperlichen Begrenzung (analog PART) unvermeidbar, in diesem Falle sind die Richtlinien des LJA Rheinland zum Thema „Pädagogik und Zwang“ zu beachten (s.u.); vgl. dazu Kapitel 2.2 „Gewaltfreie Erziehung Züchtigungsverbot"

 

Pädagogik und Zwang

Der Gesetzgeber hat im Gesetz zur „Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ vom  02.11.2000 die Unterscheidung zwischen Erziehungsverantwortung und Aufsichtpflicht bekräftigt und in § 1631 Abs 2 BGB das Züchtigungsverbot geregelt:

  • Jede Anwendung von Gewalt als Erziehungsmaßnahme ist unzulässig.

 

Die Betreuung und Erziehung junger Menschen beinhaltet im Rahmen der Aufsichtspflicht die Verantwortung zur Vermeidung bzw. Beendigung einer Selbst- oder Fremdgefährdung. Unter engen strafrechtlichen Voraussetzungen ist dabei die Anwendung von Zwangsmaßnahmen gerechtfertigt, um unmittelbare Gefahren abzuwenden und die Rechte junger Menschen zu schützen. Dies kann ein Eingriff in die persönliche Willensfreiheit eines jungen Menschen zur Gefahrenabwehr sein, z.B. Wegnahme gefährlicher Gegenstände, kurzfristiges Festhalten sowie vorübergehender Freiheitsentzug:

  • Zwang ist nur zur Gefahrenabwehr und nur unter Beachtung des Strafrechts zulässig. Zwang ist in keinem Fall jedoch ein Instrument der Erziehung. In der Regel bedeutet Zwang die Anwendung von Gewalt; dies muss situativ gerechtfertigt und verhältnismäßig sein.

 

(gekürzt und ergänzt - aus: LJA Rheinland: Pädagogik und Zwang, 5. Auflage 2007, Seite 9)

 

Verfahrensanweisung:

·       Jedes selbst- oder fremdgefährdende Verhalten von Bewohnern/Betreuten sowie die damit zusammenhängenden Interventionen der Fachkräfte und ihre Einschätzungen hinsichtlich weiteren Handlungsbedarfs wird durch die Dienst habenden Mitarbeitenden in der Tagesdokumentation der Gruppe ausführlich dokumentiert. Dabei kann die Auflistung „Gedankenstütze zur Dokumentation Gefahrenabwehr“ als Hilfsmittel benutzt werden.

 

·         Diese Eintragung wird der zuständigen Fachaufsicht spätestens am nächsten Tag per Mail zugeleitet.

·         Die zuständige Fachaufsicht prüft, ob es sich bei dem Vorgang um ein meldepflichtiges Vorkommnis handelt, welche weiteren Schritte bzw. Maßnahmen ggf. einzuleiten sind und ob die Fachbereichsleitung/Geschäftsbereichsleitung einzubeziehen ist.

  • Die Fachaufsicht fordert ggf. eine schriftliche Stellungnahme des jungen Menschen zu der Situation an.
  • Die Fachaufsicht führt ggf. ein Gespräch mit dem/den an der Situation beteiligten Mitarbeitenden und der Teamleitung.
  • Die Fachaufsicht entscheidet, ob der entsprechende Eintrag in der Tagesdokumentation sowie ggf. weitere in diesem Zusammenhang erstellte Dokumente zusätzlich zur Akte des Klienten genommen werden.

 

 

Mitgeltende Dokumente:

 

 

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