Gewaltfreie Erziehung/Züchtigungsverbot

Qualitätshandbuch

 

Geschäftsbereich

Erziehung & Bildung

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EB 2.2 Personaleinsatz

 

Gewaltfreie Erziehung - Züchtigungsverbot

 

Erziehung bedeutet, Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung anzunehmen, zu unterstützen und zu fördern. Die Basis der Erziehung sind Hoffnung, Zuneigung und Vertrauen, ihre Mittel sind Zuwendung, Partizipation und Ermutigung. Erziehung schafft Entwicklungsräume und unterstützt Entwicklungsimpulse; Erziehung gibt Orientierung und Vorbild, ermöglicht Freiheit und Individualität, setzt Grenzen und konfrontiert das Verhalten in der Konfliktregion. Erziehung achtet die Würde des Menschen und das Streben nach Glück. Ziel der Erziehung ist die Entwicklung einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit, die ihren Platz in der Gesellschaft findet und einen Beitrag leistet zum Wohle aller.

 

 

Pädagogik und Zwang

 

Der Gesetzgeber hat im Gesetz zur „Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ vom 02.11.2000 die Unterscheidung zwischen Erziehungsverantwortung und Aufsichtpflicht bekräftigt und in § 1631 Abs 2 BGB das Züchtigungsverbot geregelt:

  • Jede Anwendung von Gewalt als Erziehungsmaßnahme ist unzulässig.

 Die Betreuung und Erziehung Minderjähriger beinhaltet im Rahmen der Aufsichtspflicht die Verantwortung zur Vermeidung bzw. Beendigung einer Selbst- oder Fremdgefährdung. Unter engen strafrechtlichen Voraussetzungen ist dabei die Anwendung von Zwangsmaßnahmen gerechtfertigt, um unmittelbare Gefahren abzuwenden und die Rechte Minderjähriger zu schützen. Dies kann ein Eingriff in die persönliche Willensfreiheit eines Minderjährigen zur Gefahrenabwehr sein, z.B. Wegnahme gefährlicher Gegenstände, kurzfristiges Festhalten sowie vorübergehender Freiheitsentzug:

 

  • Zwang ist nur zur Gefahrenabwehr und nur unter Beachtung des Strafrechts zulässig. Zwang ist in keinem Fall jedoch ein Instrument der Erziehung. In der Regel bedeutet Zwang die Anwendung von Gewalt; dies muss situativ gerechtfertigt und verhältnismäßig sein.

 (gekürzt und ergänzt - aus: LJA Rheinland: Pädagogik und Zwang, 5. Auflage 2007, Seite 9)

 

 

Verfahrensanweisung:

Alle Mitarbeitenden der Graf Recke Erziehung & Bildung werden erstmals vor ihrer Dienstaufnahme schriftlich auf das Verbot der körperlichen Züchtigung hingewiesen (s. Verfahren zur Erfassung und Aktualisierung der Kenntnisnahme der geltenden Regelungen zu den Themen Gewaltfreie Erziehung, Meldung Besonderer Vorkommnisse, Arztkontakte und Medikamente), später in regelmäßigen Abständen, mindestens aber jährlich, sowie aus aktuellen Anlässen. Die Kenntnisnahme des Verbots der körperlichen Züchtigung ist von dem/der Mitarbeitenden durch Unterschrift zu bestätigen. Die Bestätigung wird zur Personalakte genommen.

 

  • Jede Übertretung des Züchtigungsverbots sowie jede Situation, in der Zwangsmaßnahmen zur unmittelbaren Gefahrenabwehr eingesetzt werden (vgl. Dokumentation Gefahrenabwehr Selbst- u. Fremdgefährdung), ist von dem/der betreffenden Mitarbeitenden sofort, spätestens aber innerhalb von 24 Stunden, umfassend zu dokumentieren und dem Team sowie der zuständigen Fachbereichsleitung (oder, falls diese nicht erreichbar, dem Leitungsdienst) anzuzeigen.
  • Die Fachbereichsleitung prüft den Vorfall sorgfältig und zieht hierzu ggf. weitere interne oder externe Fachkräfte hinzu. Sie nimmt anschließend schriftlich Stellung, berät sich mit der Geschäftsbereichsleitung und macht die veranlassten Maßnahmen aktenkundig. Diese Unterlagen sind zur Akte des Klienten zu nehmen.
  • Besonders schwere Fälle sind unverzüglich auf dem Dienstweg der Heimaufsicht als Besonderes Vorkommnis mitzuteilen.
  • Die Dokumentation über den Vorfall wird den Eltern/Sorgeberechtigten und dem Jugendamt/Kostenträger zugänglich gemacht.
  • Die Fachbereichsleitung initiiert im Zusammenwirken mit der Geschäftsbereichsleitung die ggf. notwendigen arbeitsrechtlichen Konsequenzen und/oder eine Strafanzeige.

 

 

 

Mitgeltende Dokumente: