Das Projekt

Gehörlose stellen eine sprachliche Minderheit in der Bevölkerung da. Sie haben wenige Kontaktmöglichkeiten, da sie häufig weit voneinander entfernt wohnen. Als Gehörlose sind sie auf die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel angewiesen. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, die Schriftsprache zu entschlüsseln. Die meisten Hörenden, mit denen sie zusammenleben und Kontakt haben, beherrschen allerdings die Gebärdensprache nur unvollkommen und können so den kommunikativen Bedürfnissen Gehörloser nicht gerecht werden. Eine gute Kommunikation und gute Kommunikationsbedingungen beeinflussen in hohem Maße das Selbstwertgefühl, die Lebenszufriedenheit und somit die psychosoziale Gesamtentwicklung. Gehörlose suchen deswegen verstärkt den Kontakt untereinander. Zentral gelegene und geeignete Angebote, die ihren Bedürfnissen gerecht werden, sind jedoch nicht vorhanden.

Bahnhöfe wie der Düsseldorfer Hauptbahnhof bilden deshalb für die gehörlosen jungen Menschen seit Jahrzehnten einen zentralen Treffpunkt. Auf ihren Wegen zwischen den Gehörlosenschulen oder dem Berufskolleg und ihren Wohnorten ist für viele von ihnen der Düsseldorfer Hauptbahnhof eine Zwischenstation. Hier treffen und unterhalten sie sich, sie tauschen Erlebnisse und Erfahrungen aus und vereinbaren weitere Arrangements für den Tag. Nach Hause zu fahren dagegen bedeutet für viele Isolation und erschwerte Kommunikation im hörenden Umfeld. Den übrigen Reisenden fallen die Jugendlichen durch ihre besondere Art der Kommunikation auf, oft stehen sie im Weg und sie erfahren geringschätzige Blicke und Ablehnungen. Frühere Versuche, den Jugendlichen außerhalb des Bahnhofs einen Treffpunkt zu bieten, sind fehlgeschlagen.

Die Lösung

Die Lösung

Anfang 2002 sprach Norbert Zock, Stationsleiter vom Hauptbahnhof Düsseldorf, die Schulleiterin der Förderschule für Hören und Kommunikation, Andrea Enders, auf die Probleme an. Daraufhin bildete sich eine Projektgruppe, der auch Ute Melchior-Giovannini, Lehrerin an einer Förderschule, und Frau Christa Rigter, Amt für Soziale Sicherung und Integration der Stadt Düsseldorf, angehörte. Hier wurde die Idee geboren, einen betreuten Raum für die gehörlosen Jugendlichen zu schaffen.

Träger wurde die Graf Recke Stiftung.

Zum 1. September 2003 konnte Konrad Regler, der selber gehörlos ist, als Mitarbeiter für das Projekt gewonnen werden. Regler brachte viele Ideen aus der Sicht eines Betroffenen ein. Später unterstützen ihn Nadja Alibane und Petra Kremer, selbst schwerhörig, als weitere Mitarbeiter des Projektes.

Im Mai 2005 konnten im Bahnhof zunächst von der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellte Übergangsräume bezogen werden. Die Deutsche Bahn unterstützte das Projekt vor allem in Person der Bahnhofsmanager Peter Kradepohl und später Jörg Seelmeyer von Anfang an tatkräftig. Allerdings mussten die Übergangräume Ende 2005 wieder geräumt werden, als sie für die Ansiedlung einer McDonald´s-Filiale benötigt wurden. Thomas Wilhelm, Manager von McDonald´s, sagte in diesem Zusammenhang jedoch eine tatkräftige und finanzielle Unterstützung des Projekts zu – und hielt in jeder Beziehung Wort. Gleichwohl wurde zunächst eine neue Übergangslösung benötigt. An dieser Stelle sprang die Stadt Düsseldorf ein, die den Kontakt zum nahe gelegenen CVJM-Heim vermittelte. Helmut Barthel, Leiter des CVJM-Heims, ermöglichte von Februar 2006 ab die Nutzung dortiger Räumlichkeiten, bevor mit der Eröffnung des heutigen Treffs eine noch bessere Lösung gefunden wurde. Am 30. Mai wurde der Grundstein gelegt, am 1. September die Eröffnung gefeiert.

Das Ziel

Das Ziel

Mit dem Treffpunkt im Bahnhof wird den gehörlosen oder schwerhörigen jungen Menschen die Möglichkeit geboten, in einem geschützten Raum und unter Aufsicht ihrem Bedürfnis nach Kommunikation in "ihrer Sprache" nachzukommen und dabei auch noch auf den nächsten Zug zu warten, einem Raum, der der Isolation und Vereinsamung von hörbehinderten Menschen entgegenwirkt. Eine Abgrenzung zu den nicht immer förderlichen Einflüssen des Bahnhofsumfeldes erfolgt durch die Räumlichkeiten und die Begleitung durch die Mitarbeiter. Die pädagogischen Mitarbeiter sollen eine Brücke zwischen dem natürlichen, seit Jahrzehnten von den Jugendlichen selbst gewähltem Bahnhofstreff und den Angeboten der Gehörlosenvereine und den Gehörlosenseelsorgern aufbauen und fördern.

Ziel der Arbeit ist es, den Besuchern Möglichkeiten aufzuzeigen, wo und wie sie ihre Persönlichkeit gemeinsam mit anderen weiter entwickeln und ihre Identität als gehörloser/hörgeschädigter Mensch finden können. In dem Prozess der Identitätsentwicklung werden die jungen Menschen von den Mitarbeitern unterstützt und begleitet. Der Raum ist mit Fax und Internet ausgestattet. Neben Informationen über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung können Zugverbindungen eingesehen werden. Mittlerweile arbeiten zwei Pädagogen in diesem Projekt. Die Mitarbeiter haben eine pädagogische Ausbildung, sind gebärdensprachkompetent und selbst gehörlos oder schwerhörig. Sie helfen mit Gebärdensprachkompetenz, dienen den jungen Menschen als Ansprechpartner für Probleme und helfen in Konfliktsituationen.