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Mit Alterssimulationsanzug „AleX“ Probleme von Menschen mit Einschränkungen begreifen

Julia Bister steht mühsam auf. Mit der linken Hand muss sie sich am Tisch abstützen. Sie tippelt etwas unsicher den Gang entlang zum Kaffeeautomaten. Es dauert eine Weile, bis sie den richtigen Knopf für den Cappuccino gefunden hat. „Muss ich da das Geld reinwerfen?“, fragt sie umstehende Personen. Sie muss ganz dicht mit ihren Augen an die Tasten, um die Beschriftung lesen zu können. „Wo sind denn die Tassen? “  Es dauert. „Ist der Kaffee schon fertig?“  Endlich entnimmt sie die Tasse, verschüttet etwas Kaffee und geht erschöpft zur Seite. Die umstehenden Personen haben geduldig ausgeharrt. Wohl vor allem deshalb, weil dies ein Testversuch ist. Wäre diese Situation an einem Fahrkartenautomaten gewesen und Realität, hätten die Umstehenden wohl nicht so viel Geduld mit der vermeintlich älteren Dame gehabt.

Julia Bister aber ist eine junge Frau und arbeitet für das Sanitätshaus Vital in Hilden. Sie hat freiwillig den neuen Alterssimulationsanzug „AleX“ der Graf Recke Stiftung angezogen, um am eigenen Körper zu erleben, wie es sich anfühlt, wenn die Sicht, das Gehör, die Gelenke und vieles mehr, nur noch eingeschränkt funktionieren. „AleX“ steht für ‚Alters Experience’, eben Erfahrungen mit den möglichen Zumutungen des Alters sammeln.

„Spontanes Altern“ nennt Pfarrer Markus Eisele, diese Erfahrung. Der Theologischen Vorstand der Graf Recke Stiftung hatte die Idee zu diesem Anzug, die gemeinsam mit dem Sanitätshaus Vital Hilden und die Orthopädietechnik Unternehmen Otto Bock, Bort und Össur umgesetzt wurde. Denn der Anzug kostet insgesamt etwa 4.000 Euro. Es ist der erste nicht-kommerzielle dieser Art in der Region Düsseldorf. Mit dem Alterssimulationsanzug kann man verschiedenste Krankheitsbilder simulieren: etwa einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung oder Kniegelenkarthrosen. Mit den Tremor-Handschuhen können Probanden spüren, wie sich Menschen mit Parkinson fühlen. Verschiedenste Brillen simulieren den grauen Star oder eine beginnende Netzhautablösung. So kann man mit „AleX“ verschiedenste Stufen des typischen Alterns simulieren.

Alterssimulationsanzug soll Therapieformen verbessern

„Der Anzug ist kein Entertainment-Produkt“ betont Markus Eisele. Vielmehr soll er Menschen, Unternehmen und Gruppen für die Bedürfnisse von älteren und kranken Menschen sensibilisieren.

Regine Schmidt, Leiterin des Ausbildungszentrums für Physiotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf ist überzeugt, dass „AleX“ auch in ihrer Ausbildung eine wichtige Rolle spielen kann. Sie werde ihn in der Ausbildung der angehenden Physiotherapeuten einsetzen. „Wir werden den Anzug mit in den geriatrischen Unterricht hineinnehmen und Tagesabläufe üben. Aufstehen, ins Bad gehen, Haare kämmen, zum Bäcker gehen und Brötchen holen, am Geldautomaten Geld ziehen, ins Auto steigen“, erklärt sie. Mit Hilfe von „AleX“ wolle man Therapien anpassen und eventuell neue Therapieformen entwickeln.

Andreas Wylenzek vom Sanitätshaus Vital Hilden unterstreicht: „Ich bin davon überzeugt, dass der Alters-Simulationsanzug eine Sache ist, die jedermann interessieren müsste. Uns ist es als Unternehmen in der Region wichtig, sich sozial zu engagieren, etwas von dem zurückzugeben, was wir bekommen haben.“

Ausleihen kann man den Anzug für eine geringe Leihgebühr künftig beim Sanitätshaus Vital Hilden. Begleitet wird der Anzug dann von qualifizierten Anleitern, die die Nutzung erklären und Auskunft über die verschiedenen Krankheitsbilder und Behinderungen geben können.

Der Anzug kann über das Sanitätshaus Vital Hilden angefragt werden.
Telefon: 02103  963 16 0 oder per  E-Mail: info@vital-hilden.de.
 

Berichterstattung über „AleX“

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