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Aufnahmegruppe Wittlaer – Inobhutnahme für männliche Jugendliche in Düsseldorf

Das Angebot der Inobhutnahmegruppe richtet sich an männliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen sich in einer akuten Krise befinden und deshalb kurzfristig in Obhut genommen werden müssen.

Auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF), die gemäß § 42 SGB VIII Absatz 1, Satz 3 und gemäß § 42a SGB VIII durch das Jugendamt in Obhut genommen werden, sind Zielgruppe der Aufnahmegruppe.

Der in Obhut zu nehmende Jugendliche kann in Absprache mit dem zuständigen Jugendamt von einer diensthabenden Fachkraft abgeholt und in die Aufnahmegruppe Wittlaer begleitet werden.

Perspektiven schaffen - Hilfe und Schutz bei Krisen

Das Ziel der Aufnahmegruppe ist es, den betroffenen Jugendlichen in ihren Krisensituationen durch sofortige Hilfe einen angstfreien Schutz- und Schonraum anzubieten und ihnen in ihrer Situation zur Seite zu stehen. Dabei stehen Gefahrenabwendung durch Schutz- und Deeskalationsstrategien seitens der Inobhutnahmegruppe, die Unterstützung der Minderjährigen in ihren Notsituationen, die Schaffung praktikabler Perspektiven für die Minderjährigen und das soziale Umfeld sowie die Stabilisierung und Stützung des Minderjährigen durch Beratung und Begleitung im Vordergrund.

Die Jugendlichen werden in ihrer gegenwärtigen Lage schulisch, medizinisch und psychosozial beraten und betreut. Unter Einbeziehung der Eltern, den Personen- sorgebrechtigten und des sozialen Umfeldes trägt die Inobhutnahmegruppe gleichzeitig dazu bei, dass die krisenhafte Situation geklärt werden kann oder zumindest annehmbare Lösungswege gesucht werden.

Normalität leben - Gruppenaktivitäten und Rückzugsorte

Die Inobhutnahmegruppe hat einen strukturierten Tages- und Wochenablauf, der sich an sozialen Erfordernissen und gemeinsamen Settings wie zum Beispiel Abendessen oder Gruppenrunden wie auch an individuellen Bedürfnissen wie Sport oder persönlichen Terminen orientiert. Insofern richten sich die Abläufe immer auch nach der aktuellen Belegung der Aufnahmegruppe.

Ein wichtiger Grundsatz der Gruppenarbeit besteht darin, so viel Normalität wie möglich zu leben. Dazu dienen auch gemeinsame Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Inobhutnahmegruppe. Dennoch werden dem Einzelnen ausreichend Möglichkeit zum Rückzug geboten.

Aufnahmeverfahren der Inobhutnahmegruppe

Am ersten Tag der Aufnahme erfolgt ein ausführliches Aufnahmegespräch mit den Jungen. Der Anlass und die krisenhaften Entwicklung vor der Aufnahme werden neben den Personendaten in einem Bericht dokumentiert. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt werden, unter Berücksichtigung der Sicht des Jugendlichen, die ersten notwendigen sozial pädagogischen Interventionen für die Zeit der Inobhutnahme geplant. Gleichermaßen dokumentiert die Aufnahmegruppe laufend die wichtigsten Beobachtungen, Kontakte und Tagesereignisse.

In der ersten Woche erfolgt ein erstes geplantes Kriseninterventionsgespräch mit dem Jugendamt, dessen Ergebnis für die weitere Planung protokolliert wird. Wöchentliche Fallbesprechungen im Team und eine erhöhte Gesprächsdichte mit dem Jugendamt dienen der Reflektion der Umsetzung.
Die Jugendlichen werden zu Terminen und Kontakten zum Jugendamt, Polizei, Gericht, ärztlichen Diensten und sonstigen wichtigen Angelegenheiten begleitet.

Zusammenarbeit mit den Eltern und der Herkunftsfamilie

In Absprache mit dem Jugendamt und gegebenenfalls mit dem Vormund erfolgt unverzüglich nach der Aufnahme die Benachrichtigung der Eltern beziehungsweise der Sorgeberechtigten. Mit ihnen erfolgt fortlaufend ein Austausch von Informationen. Während der Inobhutnahme kann auf Wunsch der Jungen die Kontaktaufnahme zu den Eltern in oder außerhalb der Aufnahmegruppe begleitet werden. Eine Moderation in Konfliktsituationen ist möglich. Dabei erhalten die Jugendlichen Unterstützung und Hilfestellung bei der Aufarbeitung der krisenhaften Situation und bei der Auseinandersetzung mit ihrer Herkunftsfamilie.

Die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie kann insofern eingeschränkt werden, wenn bekannt wird, dass eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls zu befürchten ist. Ebenso wird der Kontakt eingeschränkt, wenn nicht bekannt werden darf, wo sich die Jungen zurzeit aufhalten.

Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Bei einer vorübergehenden Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (§ 42a) stehen zunächst die Erstversorgung und die Sicherung der Kinderrechte im Vordergrund. Neben der Bedürfnisbefriedigung der Jugendlichen, nimmt ihre psychosoziale Betreuung bei gleichzeitiger Wahrung der angemessenen Distanz eine große Stellenwert ein. Die Beobachtung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge mit dem Augenmerk auf mögliche Verteilungshindernisse und deren sofortige Dokumentation und schriftliche Übermittlung an die Fallführung hat dabei besondere Bedeutung.

Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (§ 42) besteht die Möglichkeit der Beauftragung des trägereigenen ambulanten Clearings.

Mehr Informationen über Hilfen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Graf Recke Stiftung

Flyer der Inobhutnahmegruppe Download