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Impuls von Angelika Pöllen zum Jahresthema 2018 Nachbarschaft

Seit nunmehr 27 Jahren ist unsere Wohngruppe im Duisburger Süden im Stadtteil Buchholz beheimatet. 1991 waren wir eine der ersten Gruppen der Graf Recke Erziehung & Bildung, die ein Wohnhaus in einer gut bürgerlichen Wohngegend bezogen hat.

Da für mich als Gruppenleitung zu dieser Zeit Residenzpflicht bestand, zog ich mit meinem Mann und meinem fast einjährigen Sohn ebenfalls ein. Dies war für beide Parteien eine neue Erfahrung, denn Teamleitung und gleichzeitig Nachbarn zu sein, stellte sich als Lernfeld für alle heraus.

Beim ersten Martinssingen mit den Kindern auf unserer Straße, war das Interesse natürlich groß und man fragte sich: „Wer ist denn die Familie mit den vielen Kindern?“

Wir stellten uns vor und wurden meist herzlich von den „Ur-Buchholzern“ aufgenommen. Man beobachtete uns schon mit Skepsis, aber durch den offenen Umgang mit allen Fragen und professioneller Haltung bei entstehenden Konflikten, haben wir schnell ein herzliches Miteinander entwickelt. Und da die Nachbarn die Bewohner mit der Zeit kennen, ist mancher Nachbar sogar gelegentlich der verlängerte Arm der Pädagogen! (Manchmal zum Leidwesen der Kids…)

Da sich die Bewohner aber angenommen fühlen, helfen sie auch beim Laubfegen oder Schneeräumen oder anderen kleineren Aufgaben gerne mal bei den Nachbarn aus.

Wir haben uns sehr gefreut, dass viele Nachbarn der Einladung zur Jubiläumsfeier unseres 25 jährigem Bestehens gefolgt sind.

Über den Besuch des Miniclubs mit meinem Sohn entstanden die ersten Kontakte zur evangelischen Kirchengemeinde. Dies weitete sich auf die Gruppe aus; wir besuchten den Kindergottesdienst oder die Festgottesdienste, das Gemeindefest und die Kids nahmen Angebote des Jugendheimes war. Gelegentlich wurden sie um Hilfe angefragt: Aufbauarbeiten beim Gemeindefest, Unterstützung im Jugendheim oder Ähnliches, und durch ihre Mithilfe verfestigte sich die Beziehung. Ebenso meldete sich der erste unserer Jungen für den Konfirmandenunterricht an und schloss mit einem ehrenamtlichen Betreuer aus der Gemeinde Freundschaft. Dieser Kontakt entwickelte sich zu einer andauernden Freundschaft zur gesamten Gruppe. Er unterstützt die Kids zum Beispiel durch Nachhilfe, bei der Beschaffung eines Praktikums oder Ausbildungsstelle oder gar bei der Wohnungssuche. Er besuchte und begleitet uns in der Sommerfreizeit und ist heute Patenonkel der Kinder eines ehemaligen Bewohners, den er trotz seines holprigen Entwicklungsweges immer Hilfestellung gegeben hat.

Im Jahr 2000 wurde ich Mitglied im Presbyterium, später Mitglied des Bereichsausschusses (nach Zusammenschluss dreier Südgemeinden). Dort wurde dann die Frage an mich herangetragen, ob wir eine Spende zur Unterstützung unserer Arbeit gebrauchen könnten.

Darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut, und seit einigen Jahren haben  erhalten wir in den Sommermonaten eine Gemeindekollekte zur Unterstützung unserer Ferienfreizeit.

Eine sehr schöne Geste wurde uns aus diesem Kreis auch bei einigen Weihnachtsfeiern der Gruppe entgegengebracht. Ein Presbyteriumsmitglied hielt eigens für uns in der Kirche zu unserer Feier, die ja aufgrund der Familienbesuche in den Ferien immer einige Tage vor Heilig Abend stattfindet, einen kleinen Gottesdienst ab, so dass dadurch nochmal eine besondere Atmosphäre entstand.

Sicherlich verändert sich durch die wechselnden Personen und Gegebenheiten die Intensität des Miteinanders. Wichtig ist bei allen Kontakten aber immer der transparente und professionelle Umgang mit allen Themen, vor allem im Sinne der Vorbildfunktion für die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen.

Und dann klappt das meist auch mit der Nachbarschaft!

Angelika Pöllen ist Teamleitung der Wohngruppe Duisburg-Buchholz.

Das Jahresthema 2018 Nachbarschaft

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