Direkt zum Inhalt

Keine Chance mehr!? – Gedanken zum Osterfest

Von Pfarrer Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung 

„Da kann man halt nix machen.“ Resigniert zuckt Johannes die Schulter. „Keine Chance mehr, vorbei ist vorbei“, pflichtet ihm Petrus bei. Im Hintergrund schüttelt Maria den Kopf.

Was wäre aus den dreien geworden, wenn der Tod die Macht behalten hätte? Wenn Jesus - gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hinabgestiegen in das Reich des Todes - dort für immer geblieben wäre? 

„Da kann man halt nix machen.“ Doch! Kann man, möchte ich rufen. Resignation. Rückzug, Fatalismus dürfen nicht das letzte Wort behalten. Es wäre doch gar nicht auszuhalten. Wie gut, wenn sich Menschen nicht damit abfinden, dass es manchmal so aussichtslos aussieht.

Auf meinem Schreibtisch liegt ein kleines Kreuz. Ein Freund hat es mir aus Afrika mitgebracht. Es erinnert mich täglich daran, einen wachen Blick für die Menschen zu bewahren, die ihr Kreuz tragen und Kreuzwege gehen müssen. Auch wenn sich alles in uns wehrt, liegt es manches Mal nicht in unserer Macht, ihnen ihr Kreuz abzunehmen. Aber es ein Stück mittragen, das können wir. Das Kreuz erinnert mich daran, dass Menschen sich im Leben manchmal ganz verlassen wähnen. Es erinnert mich daran, der Trauer um verpasste Lebenschancen Raum zu geben. Es erinnert mich daran, dass der Schmerz und die Traurigkeit darüber Teil meines Glaubens sind. Aber es erinnert mich vor allem auch daran, dass die Geschichte hier nicht aufgehört hat: Karfreitag gibt es nicht ohne Ostern. Ohne die österliche Botschaft von der Auferstehung könnte ich jedenfalls nicht leben. „Gott gewinnt“ – mit dieser knappen Formel hat eine Jugendliche einmal den Begriff Auferstehung übersetzt. Gewonnen hat damals vor fast 2000 Jahren die Hoffnung gegen die Resignation, die Liebe gegen den Tod, der Glaube gegen den Fatalismus. 

Der Weg des Jesus von Nazareth - ein einziger Aufstand zum Leben

Der Weg des Jesus von Nazareth war ein einziger Aufstand zum Leben – und das nicht erst durch seine Auferstehung. Aufstand und Auferstehung sind übrigens im Griechischen, in der Sprache des Neuen Testamentes, dasselbe: Anastasis! In der Zeit seines Wirkens hat Jesus es seinen Freunden vorgemacht. Mit liebevollem Blick hat er die gesehen, die um ihre Menschenwürde ringen. Sie säumten seinen Weg: Kranke, Gelähmte, Verlorene und Ausgestoßene, die sich nach erfülltem Leben sehnen. Für sie setzte er sich ein. Die Christenheit setzte diesen Aufstand für das Leben bis heute fort. Kraftvoll und inspiriert trotzte sie den Mächten, die Leben bedrohen. In dieser Nachfolge stehen auch wir in der Graf Recke Stiftung und in der Diakonie. Wir sind zum Aufstand für das Leben aufgerufen, überall wo scheinbare Aussichtslosigkeit das Leben bedroht, sei es durch Krankheit, durch Alter oder Behinderung. 

Es war Maria, die als erste erleben durfte, was Auferstehung bedeutet. Und es waren Johannes und Petrus, die sich skeptisch selbst vergewisserten, wie Gott dem Tod getrotzt hatte.  Bis heute schöpfen Menschen Kraft aus diesem Glauben, er ist ihnen wichtige Ressource und ein Grund ihrer Resilienz gegen all die Zumutungen des Lebens.

Ostern ist das Fest für alle, die wie Maria nicht aufgeben. Es ist das Fest für alle, die ihre Hoffnung und ihre Sehnsucht nach Leben nicht vorschnell begraben. Ostern ist das Fest, das die Sätze „Da kann man halt nix machen“ und „Vorbei ist vorbei“ endgültig überwindet. Wissend, dass es manche Auferstehung nur durch den Tod hindurch gibt. Und in der glaubenden Gewissheit, dass sich das Aufstehen und der Aufstand für das Leben jeden Tag aufs Neue lohnen.