Direkt zum Inhalt

Von Gründonnerstag bis Ostersonntag – für ein frohes, mutiges, hoffnungsvolles Osterfest

Ein Jahr Corona liegt hinter uns – und wir in der Graf Recke Stiftung können wirklich stolz sein auf uns. Wir haben turbulente Zeiten durchlebt und durchlitten. Wir alle haben wirklich alles gegeben, sind an unsere Grenzen gegangen und tun das auch im Moment noch. Wir können wirklich stolz darauf sein, dass wir eng zusammengestanden haben und gut durch diese Zeit gekommen sind. Wir können wirklich stolz sein, dass wir neben Krisenbewältigung immer auch für Aufbruch standen.

Wir sind jetzt in einer entscheidenden Phase, hat der Zukunftsforscher Matthias Horx gerade erst geschrieben. Die dritte Phase mit Ärger und Müdigkeit und „Competitive Complaining“, also einem Beklagungs- und Bezichtigungswettbewerb, sei entscheidend. Er schreibt: „In diesem Zustand der Selbst- und Fremdabwertung verliert man den Respekt vor dem Erreichten, vor der gemeinsamen Leistung.“ Die Krise ist der Moment, der Ort der Entscheidung. Das steckt schon im griechischen Wort krisis. Wir können also entscheiden, wie wir mit der Situation umgehen wollen. Man könnte verzweifeln angesichts der Länge des Weges und die vielen individuellen und kollektiven Zumutungen – hier und anderswo in der Welt. Man könnte aber auch nach vorne schauen, auf das, was kommt. Horx nennt diese vierte Phase das „neue Normal“.

Ich möchte eine Parallele ziehen, wissend, dass diese Parallele nicht umfassend trägt. Aber uns vielleicht die Augen öffnen kann. Auch hier Vorher, Krise, Nachher. Auch hier „Das Alte ist vergangen, siehe, neues ist geworden.“ (2. Kor 5,17).

Der Palmsonntag läutet die Karwoche ein und markiert damit auch schon das nahe bevorstehende Osterfest, eine Zeit großer theologischer Dramaturgie und Bedeutungstiefe.

In der Karwoche geht es um Jubel beim Einzug nach Jerusalem, um erlebte Gemeinschaft beim letzten Mahl. Es geht um die jähe Nachricht vom Ende des gemeinsamen Weges, um das Glück zugesicherter Freundschaft und die brutale Wirklichkeit des Verrats. Es geht in der Nacht am Ölberg um tiefen Zweifel, Ohnmacht, Einsamkeit, Ausgeliefertsein und Gottesferne. Die göttliche Geschichte erzählt vom Kreuz, das einer tragen muss und darunter zusammenbricht, so wie viele andere, sie erzählt von denen, die zuschauen und sich ergötzen. Sie erzählt von der scheinbar ausweglosen Gottesfinsternis, vom alles Leben erdrückenden Tod und von der stillen Depression.

In dieser Zeit der Krise passiert das Unerwartete, Unwahrscheinliche, Unmögliche. Der Tod, so glauben wir Christen, wird besiegt durch die Allmacht der Liebe. Es ist der Umkehrpunkt in dieser Geschichte und Christen sehen darin den Umkehrpunkt aller Geschichte. Wir nennen es Auferstehung. Sie ist innerster Kern allen Hoffens, Glaubens und Vertrauens und Kraft zum Handeln.

Auferstehung bedeutet für mich: Es gibt Zukunft. Das Leben lohnt sich. Das Hoffen lohnt sich. Glaube und Vertrauen zahlen sich aus. Freude und Glück blühen im Licht der Auferstehung. Jeder Einsatz für Andere wird davon getragen. Der Durchgang durch die Karwoche, durch die Passion hin zu Ostern hat eine solche Kraft, dass sie auch nichtreligiöse oder religiös unmusikalische Menschen erreichen und inspirieren kann.

Säkular ausgedrückt: Das Leben und die Liebe siegen. Immer und immer wieder. Religiös: Gott verbindet sich mit dem Leben, weil er die Liebe ist. Darin haben Menschen Kraft gefunden für den Alltag und für den nächsten Schritt. Aus dieser Botschaft mögen wir auch Kraft für diese Krise schöpfen.

Am Palmsonntag wird in den Kirchen in der Bibel aus dem Hebräerbrief gelesen. Worte, an denen sich die frühe Christenheit festhalten konnte: „Der Glaube ist ein Festhalten an dem, worauf man hofft – ein Überzeugtsein von Dingen, die nicht sichtbar sind.“ (Hebräerbrief, 11. Kapitel, Übersetzung: Basis-Bibel) So ist das mit dem österlichen Glauben. Der Hebräerbrief ermutigt zu genau diesem Glauben und fügt an: Dann werdet ihr nicht müde werden und nicht den Mut verlieren. (Hebräerbrief, 12. Kapitel, Übersetzung: Basis-Bibel)

Ich glaube, solcher Glauben täte im Moment gut.  Nein, richtiger: Solcher Glaube tut gut.

In diesem Sinne: Ein frohes, mutiges, hoffnungsvolles Osterfest!

Pfarrer Markus Eisele
Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung


Wir feiern Ostern:

Aufgrund der Corona-Pandemie ist Ostern 2021 erneut ein anderes Fest, als wir es gewohnt sind. Gottesdienste in den Kirchen können regional unterschiedlich nur sehr eingeschränkt gefeiert werden. Doch Ostern findet trotzdem statt! Und das Fest der Auferstehung macht Hoffnung auf einen Neuanfang. Auf dieser Seite finden Sie Angebote, um das Osterfest zu Hause zu gestalten: Andachten und Texte zum Lesen und Mitfeiern. Die Osterfreude verbindet, auch wenn uns die aktuellen Maßnahmen räumlich voneinander trennen.