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Ein Jahr im Zeichen der Digitialisierung

|   Stiftungsverbund

Mit dem traditionellen Jahresschlussgottesdienst für alle Mitarbeitenden und einem "Graf-Recke-Pitch" ging das Jahr im Zeichen des Jahresthemas "Digitaler Wandel" in der Graf Recke Stiftung zu Ende. Begonnen hatte alles im November 2018 mit einer Kick-off-Veranstaltung im Factory Campus in Düsseldorf. Ein Jahr später lautet die Erkenntnis: Die Digitalisierung muss - gerade in einem sozialen Unternehmen - dem Menschen dienen.

"Digitalisierung ist keine Grippe, die wieder vorbeigeht", sagte Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung im Rahmen des "Pitches" in der Graf Recke Kirche, bei dem die Gewinner des "Graf-Recke-Preises für Digitalen Wandel" ihre Projekte vorstellen. "Die Digitalisierung ist kein Grund, sich zu fürchten, aber einer, um sich zu ändern. Wir wollen die Digitialisierung gestalten." Die fünf Gewinner des vom Stiftungsvorstand ausgelobten Preises zeigten im Rahmen dieses Pitches in der Graf Recke Kirche einer zweiköpfigen Fachjury und den interessierten Kolleginnen und Kollegen, wie das aussehen kann, indem sie innovative Lösungen für Herausforderungen ihres Arbeitsalltags entwickelten.

Graf-Recke-Preis für digitale Innovationen

Wie wäre es, wenn potenzielle Klienten vorab am Computer einen virtuellen Rundgang durch die Wohngruppen antreten könnten? Oder wenn sich Inklusionsbegleiter durch eine App schnell und einfach Informationen zu Krankheitsbildern und Diagnosen abrufen könnten? Könnte eine inklusive Medienwerkstatt in der Graf Recke Sozialpsychiatrie & Heilpädagogik innovative Ideen entwickeln und gleichzeitig Menschen mit psychischen Erkrankungen Teilhabe ermöglichen? Oder wie wäre es, wenn von Demenz betroffene Menschen einen digitalen Lotsen an die Hand erhalten, um auf diesem Wege schnell Informationen und Ansprechpartner zu finden? Sehr gut, befand eine Jury – und wählte die Vorschläge von Traineeprogramm-Leiterin Nina Schütz und ihrer Kollegin Angela Babbaro, der Inklusionsbegleiterin Martina Kurth-Untch, Dirk im Brahm vom Pflegedienst recke:mobil sowie Peer-Begleiterin Annika Stiglic und Thomas Paetke, Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Verbunds, zu den Gewinnern des „Graf Recke Preises für Digitalen Wandel“, der nach Lösungen für die Arbeitspraxis sucht. Als die fünf Gewinner aus 25 eingegangenen Vorschlägen durften sie ihre Ideen in einem "Social Impact Lab" in Bonn zu einem umsetzbaren Projekt entwickeln. Anschließend haben sie es wieder in die Stiftung zurückgetragen, um es dort in Zukunft zur Umsetzung vorzubereiten. Beim Pitch zum Abschluss des Digitalisierungsjahres in der Graf Recke Stiftung lobte Jury-Mitglied Oliver Kuschel von Anthropia Duisburg die Intrapreneure der Stiftung: "Ich bin beeindruckt von der Vielfalt und der Tiefe der Lösungen." Jury-Kollegin Yvonne Balzer von Partnerschaft Deutschland machte den Preisträgern Mut, ihre innovative Kreativität beizubehalten: "Nicht jede Innovationsidee wird fliegen, aber lassen Sie sich nicht entmutigen, machen Sie weiter, um auch andere Ideen ins Leben zu bringen."

Jahresschlussgottesdienst mit digitaler Diskussionsrunde

Im Jahresschlussgottesdienst der Graf Recke Stiftung (Fotos) ging tags zuvor auch noch einmal ums Jahresthema "Digitaler Wandel". Unter dem Titel der Veranstaltung "Digital Mensch werden" fragte Vorstand Markus Eisele: "Gibt's da eine gute Brücke zum Advent?", und antwortete selbst: "Ich finde ja." Als Beleg zitierte er den früheren Bischof des Bistums Limburg, Franz Kamphaus: „Mach‘s wie Gott, werde Mensch!“ "Mensch werden, Mensch sein, Mensch bleiben: Egal ob analog oder digital – Weihnachten feiern wir, dass Gott ganz Mensch wurde", so Markus Eisele weiter. Digitalisierung scheine manchmal den genau umgekehrten Weg zu gehen: "Weg vom konkreten Gegenüber hin in die Abstraktion der Algorithmen, den Rechnern und der gefühllosen Künstlichen Intelligenz. Unser Programm ist ein anderes."

Wie dieses Programm aussieht, darüber berichteten in zwei Talkrunden Mitarbeitende und Bewohner aus der Graf Recke Stiftung. Auch zwei der Gewinner des Graf-Recke-Preises für Digitaler Wandel erklärten hier ihre Ideen. Ein weiteres Thema der Runde war die umfängliche Umstellung auf digitale Prozesse in den Bereichen der Abrechnung, der Dienstplanung und der Klientenverwaltung in fast allen Arbeitsfeldern der Graf Recke Stiftung. "Digitalisierung wird bei uns unterstützende eingesetzt", betonte Jesse Büstrin, einer der Projektleiter, in der Talkrunde. "Gleichzeitig muss man sagen, dass unsere Arbeit unter den heutigen gesetzlichen Rahmenbedingungen ohne diese Unterstützung gar nicht mehr möglich wäre." Marek Leczycki, Leiter des Seniorenzentrums Zum Königshof, berichtete vom E-Learning, das die Graf Recke Wohnen & Pflege erfolgreich eingeführt hat: Lernen wann und wo immer Zeit und Gelegenheit dazu ist. Er wisse aus seiner Pflegeausbildung selbst, wie aufwändig es sei, sich nebenher weiterzubilden, so Marke Leczycki. " Pflege ist ein qualifizierter und anspruchsvoller Beruf und wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, unsere Mitarbeitenden fortzubilden."

Die digitale Erweiterung des Lernraums

In einer zweiten Runde berichtete Schulleiterin Diana Seng von der "Erweiterung des digitalen Lernraums". Für die Förderschulen der Graf Recke Stiftung eine Selbstverständlichkeit: "Schule muss sich immer am gesellschaftlichen Wandel orientieren. Wir wollen den Schülern auf allen Ebenen Teilhabe ermöglichen, da kommen wir um die digitalen Medien überhaupt nicht umhin." Lucas und Robin, zwei der Schüler und jugendliche Bewohner aus der Graf Recke Erziehung & Bildung, freuen sich denn auch über die gute Ausstattung der Graf Recke Schulen und haben dort schon in der Primarstufe Erfahrungen mit digitalen Endgeräten sammeln können. Erzieherin Kerstin Sittig attestiert "ihren Jungs", dass diese über Kompetenz in den sozialen Medien verfügen, betont aber lachend: "Wenn es um Online-Bewerbung oder eine Umwandlung von Word in ein PDF geht, kann ich tatsächlich noch helfen." Für Henning Rannoch, Bereichsleiter aus der Sozialpsychiatrischen Verbund, kann Digitalisierung auch für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen ein Tor zur Welt sein, die ihnen oft versperrt zu sein scheint. Stiftungspfarrer Dietmar Redeker schließlich schaffte es sogar, den Bogen zur Bibel zu schlagen: "Die Digitalisierung muss dem Menschen dienen", zitierte er Jesus Christus – wenngleich in abgewandelter Form. Denn Jesus hatte vom Sabbat gesprochen und dass dessen Ruhegebot dem Menschen dienen und ihn nicht zum Sklaven seiner Regeln machen dürfe. "Das sollte auch für die Digitalisierung gelten", meint Dietmar Redeker.

Jahresthema 2020: Zukunftskunst

Der Bogen ist geschlagen, vom Kick-off des Vorjahres über den Neujahrsempfang im Februar 2019, bei dem die beiden Impulsreferenten Sabine Depew und Christian Sterzik ihre digitale Kompetenz in die Waagschale warfen und für eine verantwortungsvolle Mitgestaltung des Digitalen Wandels warben. Für die Graf Recke Stiftung endet das Jahr mit dem Themenschwerpunkt "Digitaler Wandel", die Digitalisierung aber geht weiter. Passend dazu verkündete Markus Eisele am Ende des Jahresschlussgottesdienstes das Jahresthema 2020. Es lautet "Zukunftskunst". Das Thema Digitalisierung dürfte auch darin seinen Platz finden.

Ein Jahr unter dem Motto "Digitaler Wandel": Erkenntnisse, Geschichten und Gesichter zum Thema versammeln sich in der Ausgabe 4/2020 unseres Unternehmensmagazins recke:in, das hier aufrufbar ist: www.graf-recke-stiftung.de/reckein

 


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