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Fachtag zur Inklusion - Eine Brücke von beiden Seiten

|   Sozialpsychatrie & Heilpädagogik

Düsseldorf. 14. Februar 2019 – Im Juli 2017 trat das Bundesteilhabegesetz in Kraft. Es soll Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen stärken. Doch wie weit sind wir auf dem Weg dieser angestrebten Inklusion? Und wie weit reichen Akzeptanz und Respekt in der Gesellschaft, wenn es dabei einmal anstrengend wird? Bei einer Fachtagung der Graf Recke Stiftung im Bahnhof Gerresheim, moderiert vom WDR-Journalisten Ralph Erdenberger, wurden diese Fragen von rund 130 Experten diskutiert.

„Von der Anstalt in die Show – wie inklusiv denken wir wirklich?“, war die Veranstaltung überschrieben. Nicht ohne Grund: 2018 hatte ein Klient der Stiftung mit einer psychischen Erkrankung an einer TV-Casting-Show teilgenommen, was vor allem in Boulevard- und Sozialen Medien kontrovers diskutiert wurde. Fachleute aus Wissenschaft und Praxis sowie Experten in eigener Sache nahmen das zum Anlass, sich bei der Tagung mit Vertretern aus Verwaltung und Politik zum Thema auszutauschen – und mögliche Grenzen der Inklusion von Menschen mit psychischen und seelischen Erkrankungen auszuloten.

Kathrin Römisch, Professorin für Heilpädagogik an der evangelischen Hochschule RWL in Bochum, machte in ihrem Impulsvortrag aber deutlich, dass Menschenrechte universal seien. Inklusion sei daher ein nicht diskutables Grundrecht. Hindernisse bei der Umsetzung bestünden oft aus Missverständnisse in der Gesellschaft: Das heiße eben nicht, dass jeder alles machen könne, so Römisch, aber: „Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die es jedem entsprechend seiner Kompetenzen erlauben, seinen Weg zu gehen.“ Dies erfordere einen Umbau von Professionalität etwa hin zu ambulanten Unterstützungsstrukturen.

Jana Westphal und Annika Stiglic beraten als Ex-In-Genesungsbegleiterinnen psychiatrieerfahrene Menschen. Dabei sind sie sich einig: Die Arbeitswelt muss flexibler werden, wenn Menschen mit Einschränkungen ihren Teil zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen sollen. „Ich arbeite heute nicht weniger, ich arbeite anders“, sagte Stiglic. Westphal wiederum betont den gesundheitsfördernden Aspekt einer Arbeit, „eine Win-Win-Situation für alle“, wie sie findet. Pfarrer Markus Eisele, theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung, hält daher eine Inklusionsquote für zumindest „eine Überlegung wert“.

Oft fehlt es am Verständnis – und an Mut

In Schulbereich hat sich in Sachen Inklusion hingegen schon einiges getan, wie Klaus Kaselofsky vom Düsseldorfer Jugendamt zuvor in seinem Grußwort verdeutlicht hatte. Woran es noch mangelt, wurde später im World-Café an fünf Thementischen in Kleingruppen deutlich: Es fehle an Anträgen in leichter Sprache genauso wie am Verständnis für die Bedürfnisse der Zielgruppe in diversen Institutionen – und am Mut aller Beteiligten. 

Eine Brücke müsse von beiden Seiten gebaut werden, darauf wies WDR-Moderator Ralph Erdenberger bei der abschließenden Podiumsdiskussion hin. Solche Begegnungen auf Augenhöhe finden in Düsseldorf etwa seit kurzem im „Atrium“, einer Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch belastete Migrantinnen und Migranten, statt, wie Elke Wirmann vom Gesundheitsamt berichtete. An diesem Projekt ist die Graf Recke Stiftung ebenso beteiligt wie etwa am Stadtteilprojekt „Miteinander Inklusiv“, von dem Reinhard Naujoks vom Bürgerverein Grafenberg erzählte. Angesichts dieser Beispiele von gelingender Inklusion brachte es eine Teilnehmerin der Tagung auf den Punkt: Der Begriff Inklusion habe für viele etwas Belastendes, meinte sie. „Wir sollten da mehr Leichtigkeit reinbringen.“ 

Pressebild auf Anfrage

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