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Fühlen und Verstehen mit Alterssimulationsanzug „AleX“

|   Wohnen & Pflege

Düsseldorf / Hilden, 8. Oktober 2019 – Ein stärkeres Bewusstsein für ältere Menschen und ihre Einschränkungen im Alltag möchte die Graf Recke Stiftung in Kooperation mit dem Sanitätshaus Vital mit ihrem Projekt „Alterssimulationsanzug AleX“ schaffen. „Unser Ziel ist es, dass jeder Einzelne aber auch Firmen, Einrichtungen und Kommunen besser auf die Bedürfnisse von alten und kranken Menschen eingehen können“, sagte Pfarrer Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung, am Dienstag anlässlich der Vorstellung des Alterssimulationsanzugs AleX.

„Das fängt bei der Geduld an der Kasse an, wenn ein Senior nicht mehr gut erkennt, wieviel Euro er im Geldbeutel hat und betrifft auch die Gestaltung von Produkten oder Dienstleistungen.“ Der nichtkommerzielle Anzug AleX wird zu diesem Zweck unter fachkundiger Anleitung verliehen. „Alex ermöglicht einen Einblick in die Einschränkungen des Alters und hilft für ein besseres Verständnis unter den Generationen“, sagte Sanitätshaus-Inhaber Andreas Wylenzek und ergänzte: „AleX ermöglicht Fühlen und Verstehen“. Der Sozialdezernent der Stadt Hilden, Sönke Eichner, testete den Anzug: „Er macht das Altern spürbar. Das ist ein wichtiges Zukunftsthema.“

Die Graf Recke Stiftung wird den Alterssimulationsanzug AleX selbst im Rahmen der innerbetrieblichen Fortbildung ihrer Mitarbeitenden einsetzen. „Unsere Pflegekräfte haben so die Möglichkeit, am eigenen Leibe zu erleben und eine Sensibilität zu entwickeln, was alles eine Behinderung im Alltag sein kann“, betonte Joachim Köhn, Leiter des Geschäftsbereichs Wohnen & Pflege der diakonischen Stiftung aus Düsseldorf. „Das ist für uns ein sehr hilfreiches Werkzeug. Es macht einen Unterschied, ob mir jemand erklärt, was eine Einschränkung ist oder ob ich es selbst erleben und mich in den Menschen hineinversetzen kann.“ Die Gelegenheit, den Anzug und damit das Altern „auszuprobieren“, nutzte auch die Journalistin Daniele Funke, die sich mit Einschränkungen wie schlechte Sicht und geminderte Hörfähigkeit sehr unsicher fühlte: „Es entsteht ein Schamgefühl, dass man Dinge nicht mehr alleine machen kann und auf Hilfe angewiesen ist. Ich kann mir vorstellen, dass dies wiederum dazu verleitet, jedem zu vertrauen“, sagte Funke. „Von dieser Erfahrung bleibt was hängen.“ Auch Sozialdezernent Eichner hatte Schwierigkeiten mit dem Anzug etwa Kleingeld aus einem Geldbeutel zu holen. „Dieses Thema wird in unserer alternden Gesellschaft jeden treffen.“ Den Einsatz von AleX in der städtischen Seniorenarbeit könne er sich gut vorstellen. „Es ist wichtig, diese Erfahrung für eine große Zahl an Menschen erlebbar zu machen.“

Das Projekt AleX wird vom Ausbildungszentrum für Physiotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf begleitet. Mit Hilfe des Alterssimulationsanzugs „AleX“ können verschiedene Stufen von Altersbeschwerden aber auch Behinderungen simuliert werden. Probanden gewinnen dadurch eindrückliche Erfahrungen, wie sich Alter oder Behinderungen im Alltag anfühlen können. Die Initiatoren verbinden damit die Hoffnung, dass die Probanden dadurch ein größeres Verständnis für Menschen mit Einschränkungen entwickeln, Hürden im Alltag so leichter abgebaut werden können und die Bereitschaft etwa für Maßnahmen zur Barrierefreiheit steigt.

Den Alterssimulationsanzug haben Pfarrer Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung, und Orthopädietechniker des Sanitätshauses Vital Hilden entwickelt. Sponsor der 4.000 Euro teuren Anzüge sind die Orthopädietechnik Unternehmen Otto Bock, Bort und Össur. Zum Umfang der Anzüge, die in drei Größen angeboten werden, gehören einschränkende Orthesen, Brillen, die verschiedenste Augenkrankheiten simulieren, Gewichte, die die nachlassende Muskelkraft nachahmen, Gehörschutz und Tremor-Handschuhe.
Auszubildende des Ausbildungszentrums für Physiotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf leiten als Experten AleX-Einsätze an. Das Ausbildungszentrum begleitet die Weiterentwicklung des Anzugs wissenschaftlich.

Mehr Informationen zu AleX finden Sie auch hier: www.alex-alterssimulation.de

Bilder zur Verwendung im Rahmen der Berichterstattung können Sie hier herunterladen.

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