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"Zukunftskunst als lustvoller Prozess"

|   Stiftungsverbund

Düsseldorf, 7.2.2020 – Mit einem engagierten Appell, "Zukunftsgestaltung als einen kreativen, einen lustvollen Prozess zu begreifen, der durchaus auch von der Fröhlichkeit eines Glaubens geleitet wird", hat Uwe Schneidewind heute beim Neujahrsempfang der Graf Recke Stiftung den Aufschlag für deren Jahresthema gemacht. »Zukunftskunst« lautet es 2020 und geht zurück auf eben jenen Professor Schneidewind, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. In einer sehr gut gefüllten Graf Recke Kirche in Wittlaer-Einbrungen schlug er den Bogen von der globalen Herausforderung durch den Klimawandel bis zur Arbeit der Graf Recke Stiftung.

Kann der Umbau zu einer sozial und ökologisch gerechten Welt noch gelingen? Auf diese pessimistische Frage gibt Professor Uwe Schneidewind mit seinem Begriff "Zukunftskunst" sehr optimistische Antworten, nämlich die Zukunftsgestaltung auch als ein "kreativ-künstlerisches Format" zu begreifen und die sich daraus bietenden Chancen zu nutzen. Dabei beschränkt sich Uwe Schneidewind keinesfalls auf die Nachhaltigkeitsdebatte im ökologischen Sinne, wie der Geschäftsführer des Wuppertal Instituts in seinem Impulsreferat beim Neujahrsempfang der Graf Recke Stiftung betonte: "Das zentrale Momentum ist, zu erkennen, dass die gesamte Frage nachhaltiger Entwicklung im Kern ein zutiefst soziales Anliegen ist, eine faszinierende Idee davon, wie wir das menschliche Zusammenleben auf diesem Planeten organisieren – dass wir jedem Menschen die Möglichkeit auf ein gutes Leben zubilligen, und das nicht nur den heutigen, sondern auch den künftigen Generationen." Diese Gleichheit sei in der Menschheitsgeschichte schon immer ein Anliegen gewesen, so Schneidewind. "Aber im 21. Jahrhundert sind wir erstmals in der Lage, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wir leben in einer Welt, in der wir alle technologischen Bausteine haben, um das zu machen, in der wir eine Wirtschaftskraft haben, nach zwei Millionen Jahren Zivilisationsentwicklung erstmals diese Vision eines würdevollen Lebens eines jeden Menschen auf diesem Planeten zu realisieren. Und das, obwohl der Planet ökologisch begrenzt ist." Dies sei eine Perspektive "der unendlichen Dankbarkeit, an einem solchen Projekt teilhaben zu können" und dieses Projekt sei nur auf den Weg zu bringen, "wenn ganz viele Menschen eine positive Energie eines Glaubens in sich tragen".

Uwe Schneidewind: Graf Recke Stiftung als "Ort der Zukunftskunst"

Die Graf Recke Stiftung als eine der ältesten diakonischen Einrichtungen in Deutschland betrachtet Uwe Schneidewind in diesem Sinne auch als "Ort der Zukunftskunst", denn das Motto der Stiftung – „das Leben meistern" – verweise darauf, "Menschen in die Lage zu versetzten, Selbstwirksamkeit auch unter schwierigsten Randbedingungen zu empfinden. Das ist genau das, worum es in unseren Themen im Globalen gibt: als Menschheit das Leben meistern trotz der Randbedingungen, die wir in den ökologischen Randbedingungen haben", so Professor Schneidewind: "Sie machen uns durch Ihre Arbeit immer wieder deutlich, welches Potenzial bei allen Schwierigkeiten in jedem steckt: gerade unter den extrem schwierigen Rahmenbedingungen der Demenz genau die Rahmenbedingungen zu bieten, in denen das Menschliche weiter spürbar ist."

Der ganze Vortrag von Professor Uwe Schneidewind ist hier als Text zum Download hinterlegt (PDF, 1,7 KB).

Petra Skodzig: Paradigmenwechsel durch das Bundesteilhabegesetz

Zuvor hatte schon Petra Skodzig, Finanzvorstand der Graf Recke Stiftung, in ihrer Begrüßung die konkreten Bezüge der Graf Recke Stiftung zum Thema hergestellt. Mit Blick auf die Herausforderungen des neuen Jahres und verwies sie insbesondere auf das Bundesteilhabegesetz, das Menschen mit Behinderungen mehr Teilhabe ermöglichen soll. „Die Einrichtungen und Dienste unserer Sozialpsychiatrie & Heilpädagogik arbeiten intensiv daran, die richtigen Antworten auf die Anforderungen des neuen Gesetzes zu geben, in deren Mittelpunkt die Personenzentrierung steht.  Das ist für alle Träger ein echter Paradigmenwechsel! Denn statt ein Hilfesystem um den Klienten herum zu bauen, sollen diese künftig im Sinne einer echten Teilhabe selbst entscheiden, was ihm in seiner Lebensplanung wichtig ist.“ Weitere Schwerpunkte in den Bereichen seien der Organisationsentwicklungsprozess der Graf Recke Erziehung & Bildung, des größten und zuletzt immer noch gewachsenen Geschäftsbereiches der Graf Recke Stiftung, sowie die wegweisenden Bauprojekte für das Graf Recke Quartier Neumünster und das Ahorn-Karree im Dorotheenviertel Hilden. Im Dorotheenviertel Hilden wird bereits im Mai die Einweihung des ersten Bauabschnitts gefeiert. „Dort setzen wir ein zukunftsweisendes Projekt für Menschen mit schwerer Demenz um, die in einer geschützten Umgebung individuell und möglichst selbstbestimmt leben und sich entfalten können.“

Markus Eisele: Sozialdiakonisches Handeln und Schöpfung bewahren als Zukunftskunst

Das Jahresthema 2020 fokussiere auf zwei wichtige Aspekte der Arbeit der Graf Recke Stiftung, betonte auch Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung, in seinem theologischen Impuls: „Zum einen haben wir uns von Beginn an mit unserem sozialdiakonischen Handeln dafür eingesetzt, dass Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, eine lebenswerte Zukunft haben. Zum anderen erkennen wir, dass wir dieser Verantwortung nur gerecht werden können, wo wir auch alles in unserer Macht Stehende tun, um die Schöpfung als Lebensgrundlage zu bewahren. Beides ist Zukunftskunst.“

Thomas Geisel: Gemeinsam die Stadtgesellschaft stabil halten

Oberbürgermeister Thomas Geisel lenkte in seinem Grußwort den Blick auf die Stadtgesellschaft: "Für mich ist Nachhaltigkeit erreicht, wenn das System im Gleichgewicht und stabil ist." Wenn eine Schlagseite entsteht, drohe das System zu kollabieren und auseinanderzufallen. Eine moderne und heterogene Stadtgesellschaft wie Düsseldorf sei davon immer wieder bedroht, so Thomas Geisel. "Nach meiner Überzeugung ist eine Stadtgesellschaft so lange stabil wie wir objektiv sagen können: Was hier stattfindet, ist ein Miteinander, und wenn wir auch subjektiv alle den Willen haben, dieses als Miteinander zu verstehen, so unterschiedlich unser jeweiliger individueller Hintergrund auch sein mag." Geisel bezeichnete es als eine soziale Aufgabe, das Gebilde der Stadtgesellschaft stabil zu halten. Hier sei die Stadt gefordert, aber auch Partner wie die Graf Recke Stiftung, die mit ihren Angeboten und mit "hoher intrinsischer Motivation helfen, das Stadtgebilde stabil und attraktiv zu halten".

Dem stellvertrerenden Präses der Graf Recke Stiftung, Günter Scheib, blieb es vorbehalten, die Gäste zum Abschluss ins benachbarten Seniorenheim Walter-Kobold-Haus einzuladen zum – ganz im Sinne des Themenschwerpunkts an diesem Tage – nachhaltigen Buffet.

INFO
Die Graf Recke Stiftung fördert das Anliegen der Nachhaltigkeit im Rahmen des Jahresthemas "Zukunftskunst" mit dem „Graf Recke Preis für Nachhaltigkeit“, den Finanzvorstand Petra Skodzig im Rahmen des Neujahrsempfangs auslobte: „Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter, jede Klientin und jeder Bewohner kann dazu seine Ideen und Vorschläge beitragen.“

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