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Stellungnahme zum Beitrag „Corona in Altenheimen“ der Sendung „Markt“ des WDR-Fernsehens

|   Wohnen & Pflege

Diese Stellungnahme wurde heute Mittag per Mail an den Westdeutschen Rundfunk (WDR) gesendet, nachdem eine Wiederholung eines tendenziösen und verfälschenden WDR-"Markt"-Beitrags im ARD-Magazin "Plusminus" am heutigen Abend angekündigt worden war. "Plusminus" hat daraufhin kleinere Anpassungen vorgenommen, im wesentlichen jedoch wurde die Stoßrichtung des "Markt"-Beitrags beibehalten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ende Februar haben wir einem freien Autoren, Herrn Burkhard Vorländer, ein Interview für die WDR-Sendung „Markt“ gegeben. Laut Anfrage ging es um die allgemeine Lage einer Pflegeeinrichtung in der Pandemie. Der Beitrag lief am 3. März.

Wir haben erfahren, dass der Bericht auch heute in der Sendung „Plusminus“ in leicht abgewandelter Form laufen soll. Deshalb sehen wir uns genötigt, Sie dringend darauf hinzuweisen, dass der am 3.3.2021 gesendete Beitrag aus unserer Sicht, auch unter journalistischen Gesichtspunkten, erhebliche Mängel aufweist.

Im Beitrag zur WDR-Sendung „Markt“ wurde ein Halbsatz aus einem etwa halbstündigen Kamerainterview mit Birgit Kleekamp, Leiterin des Pflegezentrums Walter-Kobold-Haus, verwendet. Das geführte Interview haben wir dokumentiert. Der zitierte Halbsatz wird der Komplexität des Geschehens im Walter-Kobold-Haus, das wir den Autoren des Beitrags, Herrn Vorländer und Herrn Fuchs, auch in zwei Hintergrundgesprächen ausführlich erläutert hatten, nicht gerecht. Uns ist bewusst, dass dies in einem solchen Format schwierig ist, jedoch wurden in diesem Fall Zusammenhänge verfälscht und irreführend Aspekte suggeriert, die wir so nicht stehen lassen können.

Im Bericht heißt es, der WDR-Mitarbeiter habe bei seinen Recherchen ein „Schlupfloch“ für das Virus in unserem Pflegezentrum identifiziert. Im Beitrag sind Aufnahmen aus dem Foyer des Hauses zu sehen und die Sprecherin vermeldet: „Ganz ohne Testergebnis lässt man uns hinein.“

  • Richtig ist: Der Autor kam samt seiner Kamera keineswegs in die Pflegeeinrichtung, sondern durch den Seiteneingang des Hauses in die Verwaltung. Auf dem Weg in den Garten zum Interview haben wir nicht etwa mehreren Personen, sondern diesem Mitarbeiter, der alleine mit seiner Kamera unterwegs war, auf seinen Wunsch hin zugestanden, eine kurze Sequenz im Foyer des Hauses aufzunehmen – mit FFP2-Maske und großem Abstand zu dort verweilenden Bewohnerinnen und Bewohnern, sodass hier absolut keinerlei Gefahr, geschweige denn ein „Schlupfloch“ bestanden hat.
  • Wenn der Autor dies aber so wahrgenommen hat, dann hätte er uns hierzu mindestens die Gelegenheit zu einer Stellungnahme einräumen müssen. Dies war nicht der Fall.

In der nachfolgenden Sequenz wird der oben genannte Halbsatz aus dem Interview als Antwort auf die aus dem Off von der Sprecherin des Beitrags gestellte Frage „Wie gründlich wurde hier getestet?“ eingespielt: „…drei Mal in der Woche wurde das Personal durch die Bank getestet und die Bewohner einmal die Woche…“

  • Dieser Halbsatz bezog sich jedoch auf eine Frage nach der früheren Teststrategie. Die Einrichtungsleiterin hatte sich auf die Frage nach den Tests so geäußert: Vor dem Ausbruch haben wir drei Mal in der Woche das Personal durch die Bank getestet, die Bewohner einmal die Woche. Jetzt wird das Personal, das nahe am Bewohner arbeitet, also alle pflegerischen Mitarbeitenden und alle Mitarbeitenden des Sozialen Dienstes, täglich getestet, die Bewohner werden drei Mal Woche getestet und alle anderen Mitarbeitenden, wie zum Beispiel ich, also Verwaltung oder Rezeption, alle zwei Tage getestet. Auch unsere Reinigungskräfte wurden regelmäßig mit Schnelltests überprüft.
  • Hier wurde die Antwort unserer Einrichtungsleiterin aus dem Zusammenhang gerissen und verschwiegen, dass die Testfrequenz bereits seit Ende Januar eine deutlich engere war.

Der Bericht selbst löst erst an anderer Stelle auf, dass die Stadt Düsseldorf die Schnelltests für Besucherinnen und Besucher erst ab dem 12. Februar verpflichtend in ihre Allgemeinverfügung aufgenommen hat. Der Kreis Mettmann, in dem wir ebenfalls stationäre Pflegeeinrichtungen führen, hatte die Tests in seiner Allgemeinverfügung schon am 19. Januar zur Pflicht gemacht, dies aber auch aus gutem Grund: Der Kreis Mettmann wies zu diesem Zeitpunkt bereits eine deutlich höhere Sieben-Tage-Inzidenz auf als Düsseldorf, zeitweise über 200.

  • Insgesamt wird der Eindruck erweckt, als habe unsere Pflegeeinrichtung die geltenden Standards nicht eingehalten. Dem ist in keiner Weise so. Vielmehr haben sich alle Einrichtungen der Graf Recke Stiftung jederzeit an die jeweiligen Allgemeinverfügungen der Stadt und des Kreises gehalten!

Im „Markt“-Beitrag wird dann eine Einrichtung in Duisburg als Ideal eines geschützten Pflegeheims dargestellt. Die dortige Hausleitung verweist – zu Recht – auf Kurzscreenings und das Tragen von FFP2-Masken als Voraussetzung für den Besuch in der Einrichtung, um die Einrichtung zu schützen.

  • Das Tragen von FFP2-Masken macht die Graf Recke Wohnen & Pflege bereits seit Mai 2020 für alle Besucherinnen und Besucher ihrer Häuser zur Auflage. Ihnen werden die Masken hierfür auch durch uns gestellt. Ebenso fanden seitdem auch Kurzscreenings statt.

Darüber hinaus werden die im Pflegeheim in Duisburg durchgeführten Schnelltests hervorgehoben, für das sich die Einrichtung „früher als andere Hilfe gesucht“ und schon im Dezember „ein Testzentrum gemeinsam mit der Feuerwehr aufgebaut“ habe.

  • Der WDR-„Markt“-Beitrag verschweigt jedoch, was der Sender bereits im Dezember 2020 selbst gemeldet hatte: Das Testzentrum hier wie an Standorten anderer Pflegeheime in Duisburg habe der Krisenstab der Stadt eingerichtet, um "die Träger und Betreiber im Kampf gegen das Virus durch die Stadt kurzfristig und unbürokratisch zu unterstützen". Der Sprecher der Wohlfahrtsverbände Stephan Kiepe-Fahrenholz wird mit den Worten zitiert: „Die Initiative der Stadt hilft vor allem denjenigen Pflegeheimen, deren eigene Testkapazitäten die Belastbarkeitsgrenze erreicht haben. Sie können sich jetzt verstärkt auf die Testung der Mitarbeitenden konzentrieren. Dadurch sollen die Heime die Möglichkeit bekommen, in Ruhe eigene Teststrategien zu entwickeln.“
    Hier der zitierte WDR-Bericht

In einer Situation, die für alle Betroffenen – Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende – besonders belastend ist, appellieren wir, dass die Standards von Fairness und Sorgfalt ganz besonders Anwendung finden.

Wir legen deshalb größten Wert darauf, dass unsere Stellungnahme im Bericht umfassend Berücksichtigung findet.

Mit freundlichen Grüßen

Gez.

Dr. Roelf Bleeker

Leiter Kommunikation

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