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Eröffnung Rollatorpark - Andacht des Theologischen Vorstands

Barrierefreiheit und Teilhabe – das sind Begriffe unserer Tage. Wichtige Begriffe. Sie zeigen, dass Menschen ihre Rechte eingefordert haben – und es ein Bewusstsein davon gibt, dass alle Menschen gleich Möglichkeiten haben sollen, am „normalen“ Leben teilzunehmen.  

Die UN-BRK ist gerade mal 10 Jahre alt. Ein echter Meilenstein. Für Menschen mit Behinderungen, für Menschen im Alter.  

Und doch ist das älteste Manifest für Barrierefreiheit bereits vor 2 ½ Jahrtausende aufgeschrieben worden:

„Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!“ (Jesaja 40)

Ebene Wege sind eine wichtige Voraussetzung, dass man da hinkommt, wo man hinkommen will. Und das im übertragenen wie im tatsächlichen Sinne. Wer heute offenen Auges durch Städte und Orte läuft, kulturelle Einrichtungen oder auch Verwaltungen besucht, einkaufen gehen will oder den ÖPNV nutzt, der weiß, dass wir an vielen Stellen noch weit davon entfernt sind, dass die Wege eben sind und für alle gleich gut nutzbar. Und dass es neben den vielen physischen Hürden auch viele Hürden im Kopf gibt. Wer nicht betroffen ist, macht sich eben oft nicht klar, was für Leben-Verhinderer bauliche Barrieren sind. 

Angewiesen zu sein auf das Wohlwollen und die Hilfe Anderer, das ist für viele beschämend. Und so steht so mancher Rollator-Mercedes unbenutzt zuhause. Auch weil man sich nicht sicher fühlt. Man bekommt das Vierrad vor die Türe gestellt und nach fünf Minuten ist der Mitarbeiter des Sanitätshauses weg. Aber wie klappt das mit unterschiedlichem Untergrund? Wie kommt man mit Türen, Steigung und Gefälle zurecht? Gut, wenn man das üben kann. Wie nun erstmals hier in Nordrhein-Westfalen in Hilden. 

Und Johannes kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden, und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« 

Augen für die Situation der Menschen, die sonst ausgeschlossen wären

Die Bibel weiß: Das Heil sehen ist, manchmal echt schwierig, nämlich dann, wenn man nicht am Leben teilhaben kann. Wenn man ausgeschlossen ist. Wenn man nicht mehr sicheren Fußes unterwegs ist und andere nicht daran gedacht haben, wie es wohl ist, wenn man nicht gut zu Fuß ist. Zur christlichen Verantwortung gehört, dass man Augen für die Situation der Menschen hat, die sonst ausgeschlossen wären. Und deswegen steht es uns als Graf Recke Stiftung gut an, dass es diesen Rollatorpark bei uns gibt.  

Aber es bleibt die Aufgabe der Verantwortlichen, dafür zu sorgen, dass Hürden und Barrieren weiter abgebaut werden. Damit Menschen das Heil sehen – oder etwas bescheidener ausgedrückt - damit sie Lebensglück erleben. Und manchmal wird man sich als Mahner dabei fühlen, wie ein Prediger in der Wüste. Aber es lohnt sich.  

Wie ist das mit dem Glück? Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Willst du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke dich. Willst du für drei Tage glücklich sein, so heirate. Willst du für acht Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen. Willst du aber ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten.“ 

Dieser Rollatorpark mitten im Grünen möge so ein Ort sein, an dem man glücklich sein kann und der glücklich macht. Denn Glück ist –  

  • ein Spaziergang durch die Natur in Hilden,
  • ein Rollator, der Halt und Sicherheit gibt,
  • ebene Wege, die nicht behindern,
  • Menschen, die an Andere gedacht haben, auch wenn sie selbst noch behänd unterwegs sind,
  • die Freude über die wiedererlangte Selbständigkeit

So möge dieser Rollatorpark segensreich wirken.