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Ein wichtiger Teil vom großen Ganzen

Von Achim Graf

In der Schreinerei der Graf Recke Stiftung in Grafenberg entstand außergewöhnliches Equipment für das »SingPong-Event« in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena. Für das Fest mit Tausenden Kindern wurden unter anderem 720 Pingpong-Schläger und ein ganz besonderer Flügel gefertigt. Woran die Werkstattleiterin und ihr Team im Auftrag von Borussia Düsseldorf wochenlang gearbeitet haben, geht nun auf Tournee.

720 Tischtennisschläger, ein überdimensionierter Notenschlüssel und ein Konzertflügel – die Bestellung, die bei der Schreinerei der Graf Recke Stiftung in Düsseldorf- Grafenberg einging, klang zunächst ein wenig skurril. Doch der Auftrag des Tischtennisclubs Borussia Düsseldorf hatte seinen Sinn: Das Equipment war gedacht für einen ganz besonderen Anlass, das große »SingPong-Event« in der Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf. Keine Frage, dass sich alle Beteiligten gehörig ins Zeug legten, gehört der Sportverein doch zu den geschätzten Partnern des Sozialpsychiatrischen Zentrums an der Grafenberger Allee.

Einmal in der Woche verbringen Klienten der Stiftung innerhalb eines inklusiven Stadtteilprojekts ihre bewegte Mittagspause an der Tischtennisplatte auf dem Stiftungsgelände oder in der Trainingshalle der Borussia, wo normalerweise Weltmeister Timo Boll und seine Kollegen aufschlagen. Ein Vertreter des erfolgreichsten Tischtennisclubs der Republik ist dann stets mit dabei. Jetzt aber ging es nicht um Schläger, mit denen Profis im Wettkampf brillieren könnten. Für das Event mit Tausenden Düsseldorfer Schülern waren einfache Holzschläger gefragt, Symbole eher denn Sportgeräte. Eine reizvolle Aufgabe für Ursula Holte und ihr Team.

Ursula Holte ist Tischlermeisterin und führt seit rund drei Jahren die stiftungseigene Schreinerei, wo unter ihrer fachlichen Anleitung Klienten im Rahmen einer Arbeitstherapie in der Regel Gebrauchsgegenstände herstellen. Nun aber fertigte sie zunächst einen Schläger-Prototypen aus zehn Millimeter starkem Sperrholz mit zwei Leisten aus Buche als Griff, der prompt Anklang bei den Verantwortlichen von Borussia Düsseldorf fand. »Das ist im Prinzip ein Pingpong-Schläger ohne Gummierung«, sagt Ursula Holte. Die große Herausforderung allerdings sei gewesen, einen solchen danach in Masse zu produzieren

Es war Genauigkeit gefragt

Dafür hatte die Handwerksmeisterin zunächst eine Schablone gebaut, in die gleich neun zugeschnittene Rohlinge eingelegt wurden. »Die habe ich im Block an der Bandsäge zugeschnitten und auch die Kanten geschliffen«, erklärt sie. An diesem Punkt kamen dann die Klienten ins Spiel, die die vorbereiteten Leisten aus Buche abrundeten und auf beiden Schlägerseiten aufleimten. »Dabei mussten sie sehr genau arbeiten«, sagt Ursula Holte. Auch beim finalen Kantenschliff durfte nichts schiefgehen – und das über 700 Mal.

Wie viele Schläger er in der Hand hatte, kann Frank Pinnow gar nicht mehr sagen. »Das ging ja in Etappen. Aber es war gut, dass das nicht alles auf einmal kam«, meint er. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er immer vormittags in der Schreinerei. Frank Pinnow hat ursprünglich Gärtner gelernt »und dann umgeschult«, wie er sagt. Er schätze die Abwechslung hier, zuletzt habe er Kinderwerkzeug und Bücherstützen für Mathildes Spielekiste angefertigt. »Wir machen hier ja mehr als nur Tischtennisschläger «, meint der 64-Jährige und lacht.

Kollege Michael Oepen ist gerade dabei, einen kleinen Hahn aus Sperrholz abzuschleifen. »Der bekommt später noch einen Anstrich«, erzählt der 54-Jährige, der vor einem Jahr ebenfalls von der Gärtnerei in die Schreinerei gewechselt ist. Neben der Arbeit mit Holz mag Michael Oepen vor allem, dass vieles von dem, was hier entsteht, für Kinder ist. »Wie die Tischtennisschläger. Das war eine Herausforderung«, räumt er ein. Dieser hat er sich aber genauso gerne gestellt wie alle anderen. Frank Pinnow etwa freut sich, »dass alles so gut geklappt hat und dass wir ein Teil von einem großen Event sind«. Das gilt gleichermaßen für den inklusiven Chor der Stiftung unter der Leitung von Volker Neveling, der den »Pingpong-Song« mit den Kindern seit April für den gemeinsamen Auftritt geprobt hatte.

Instrumenten-Attrappe mit Netz

Mehrere Wochen arbeitete auch Tischlermeisterin Ursula Holte unter Beteiligung einiger Klienten gemeinsam mit Ali Kaya an einem außergewöhnlichen Flügel. Ein Glück, dass Kaya nicht nur Hausmeister und gute Seele auf dem Gelände an der Grafenberger Allee ist, sondern auch gelernter Schreiner. Denn das Prachtstück in Originalgröße hat den beiden Profis einiges abverlangt, auch wenn es lediglich eine Attrappe ist, in die ein E-Piano eingeschoben werden kann. Das Besondere aber: Auf dem Gerät kann Tischtennis gespielt werden, sogar an ein Netz wurde gedacht.

Vorgegeben seien lediglich die Maße gewesen, »den Rest haben wir uns von Fotos abgeschaut«, berichtet Ali Kaya vom Entstehungsprozess. Zunächst habe man eine riesige Schablone gebaut, die einzelnen Teilstücke dann aus 15 Millimeter starkem Sperrholz ausgefräst und danach verleimt. »Für die Rundungen haben wir sogenanntes Biegesperrholz verwendet«, erläutert Ursula Holte. Auch für sie war das keine Routinearbeit und daher besonders reizvoll. Ein bisschen stolz sei man schon, »so etwas bauen zu können«.

Sozialarbeiter Jörg Brendjes, der die Kooperation mit Borussia Düsseldorf von Seiten der Stiftung betreut, ist derweil begeistert, »mit wie viel Leidenschaft und Liebe zum Detail die Mitarbeiter unserer Schreinerei den Auftrag umgesetzt haben«. Das gilt auch für einen Notenschlüssel und einen Tischtennisschläger in Übergröße. In der Werkstatt setzt sich erst einmal Ali Kaya zur Probe an den Flügel. Der Auftritt in der Düsseldorfer Arena soll nämlich nicht der letzte gewesen sein, das SingPong-Event wird in insgesamt sieben Städten gastieren, unter anderem in Münster und in Xanten. Und die Graf Recke Stiftung wird dann immer ein wenig mit im Spiel sein.