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Arbeiten im Garten Eden

von Achim Graf

Seit mittlerweile 30 Jahren ist Beate Schneppendahl als Erzieherin in Ratingen-Lintorf im Einsatz. Seitdem hat sich in der Arbeit an Kitas vieles gewandelt, die Betreuung ist individueller und anspruchsvoller geworden. Die stellvertretende Leiterin des Kinder-Garten-Eden, der seit Kurzem zur Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH gehört, ist von ihrem Beruf jedoch nach wie vor begeistert. Das liegt an ihrem Team genauso wie an den Kindern. Deren Unbefangenheit und Neugier seien »zum Glück unverändert«.

Die drei evangelischen Kindertagesstätten in Ratingen-Lintorf und Düsseldorf-Angermund, die seit August 2019 zur Graf-Recke- Kindertagesstätten gGmbH gehören, sind Beate Schneppendahls Welt. Das ist in ihrem Fall keine Übertreibung: Die Erzieherin hat nicht nur lange in der heutigen Lintorfer Kinderarche Friedrichskothen gearbeitet und ist heute stellvertretende Leiterin des nahen Kinder-Garten-Eden. Die dritte Kita in Angermund hat sie als Kind einst selbst besucht. Mehr geht wirklich kaum, weniger allerdings wäre schade, wie sie findet. Es ist ja so viel passiert seitdem. Insbesondere kann die heute 50-Jährige, die in diesem Jahr ihr 30. Dienstjubiläum feiert, somit gar auf 45 Jahre Kindergartengeschichte zurückblicken. Der größte Unterschied zu heute: »Ich kann mich noch erinnern, dass wir damals fast alles gemeinsam gemacht haben«, erinnert sich Beate Schneppendahl. »Wir haben zusammen gefrühstückt,zusammen gebastelt, gleichzeitig die Jacken angezogen.« Was nach einer guten Gemeinschaft klingt, hatte auch Schattenseiten: Wenn alles auf Kommando geschehe, blieben persönliche Bedürfnisse eines Kindes oft auf der Strecke, sagt sie. Und doch sei einiges noch so gewesen, als sie vor 30 Jahren in Lintorf als Praktikantin angefangen habe, erzählt Schneppendahl. Man habe als Erzieherin damals ganz viel Zeit mit den Kindern verbracht, mit Spielen und vor allem mit Basteln. »Die Eltern haben einfach erwartet, dass die Kinder etwas mit nach Hause bringen, eine Spardose aus Pappmaschee zum Beispiel oder Webarbeiten«, erinnert sie sich. Die Erwartungen gingen zum Teil so weit, dass die Erzieherinnen zu Weihnachten Dekoration oder Fensterbilder für die Kleinen gefertigt hätten – ganz ohne die Kinder am Tisch.

BEDÜRFNISSE DER KINDER ENTSCHEIDEND

Beate Schneppendahl

Heutzutage wäre das undenkbar, »die Aktivitäten gehen vom Kind aus«, erläutert Beate Schneppendahl die moderne Pädagogik. Nicht alle der je 22 Kinder in den drei Gruppen hätten ja zur gleichen Zeit Lust zu basteln oder zu malen, sie seien altersmäßig viel weiter auseinander. »Es gibt welche, die fünf Jahre lang nicht malen wollen, sondern lieber etwas bauen.« Kein Problem für die Verantwortlichen im Kinder-Garten-Eden: »Die Bedürfnisse der Kinder werden heute viel stärker berücksichtigt«, macht sie deutlich. Und so wählten die Kleinen täglich ihre eigenen Felder, sagt sie, ob es die Holzeisenbahn im Flur ist, die Puppenecke oder das Spielangebot auf dem Außengelände. »Das ist auch gut so«, sagt sie. Für die Entwicklung sei das wichtig, jedes Kind brauche ja »andere Impulse, eine andere Förderung«. Der Gemeinschaftsgedanke kommt dabei keinesfalls zu kurz. »Wenn sie zwischen sieben und neun Uhr hier ankommen, suchen sie sich ihre Gruppe selber, mit der sie gemeinsam frühstücken«, beobachtet Schneppendahl. Es sei eben alles individueller geworden, wie in der Gesellschaft eben auch. Selbst bei der Wahl der Gemeinschaftsprojekte der Kita, die sich an den Jahreszeiten genauso orientieren wie am Kirchenjahr, haben die Kleinen ein Mitspracherecht. »Vögel und Blumen« haben sie sich zuletzt ausgesucht, ganz demokratisch. Die Kleinen haben Karten und Bilder mitgebracht, Bilder gemalt »und im Garten viel beobachtet«, erzählt die Erzieherin mit einem Strahlen. »Wir sind aber auch rausgegangen, durch Wälder und Felder.« Zu erleben, wie die Kinder so die Welt entdecken, sie dabei zu begleiten, begeistere sie nach wie vor, verrät Beate Schneppendahl. Die Unbefangenheit und die Neugier der Kinder seien zum Glück unverändert. Sicherlich, räumt sie ein, der Job sei pädagogisch anspruchsvoller geworden, die Dokumentationspflichten umfangreicher, man habe einen viel deutlicher ausformulierten Bildungsauftrag. Doch selbst der sogenannten Portfolio-Arbeit, also der Erstellung von Mappen, in denen die Fähigkeiten und Kompetenzen der Kinder festgehalten werden, kann die 50-Jährige etwas abgewinnen: Wenn man dabei gemeinsam mit den Kindern deren Entwicklung dokumentiere, mit vielen Bildern und Selbstgemachtem, »entdecken diese auch ganz viel über sich selbst«.

ORGANISATORIN UND MOTIVATORIN

Dass Beate Schneppendahl auch nach 30 Jahren jeden Tag gerne zur Arbeit kommt, liegt aber genauso »an dem tollen Team«, wie sie sagt. An ihre zwölf Kolleginnen und Kollegen gibt sie gerne all ihre Erfahrung weiter – die aus der Kita-Arbeit genauso wie aus der Zeit mit ihren zwei inzwischen erwachsenen eigenen Kindern. Und nicht nur das: »Beate ist Organisatorin und Motivatorin «, zeigt sich Kita-Leiter Detlef Blasberg von seiner Stellvertreterin begeistert. Sie schaffe es, alle mitzureißen. Und die Kinder liebten sie: »Selbst beim Geschirrspülen hat sie immer gleich eine Traube Kinder um sich«, berichtet er lachend. In solchen Momenten helfe ihr die Gelassenheit, die sie sich über die Jahre angeeignet habe, meint Beate Schneppendahl mit einem Schmunzeln. Die dafür notwendige Entspannung holt sie sich bei regelmäßigen Ausflügen mit ihren Hunden. Ein Leben ohne die beiden sei für sie nicht mehr vorstellbar, gesteht sie. Und irgendwie auch nicht so richtig ohne die Kita. Kinder-Garten- Eden – der Name sei Programm, meint die Erzieherin. »Es ist ein Paradies für Kinder «, davon ist sie überzeugt. Und offenbar gilt das auch für die Großen.

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