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Mit guten Ideen zum Großeinkauf

Einkaufen gehen kann in Zeiten des Coronavirus zur Herausforderung werden: Lange Schlangen durch Einlasskontrollen vor Supermärkten und Drogerien, dazu leere Regalreihen bei einigen Produkten, etwa bei H-Milch, Nudeln oder Klopapier. Wer jedoch gleich 20 oder 30 Personen in Wohngruppen oder Häusern der Graf Recke Stiftung zu versorgen hat, steht vor deutlich größeren Herausforderungen. Um im Erfolgsfall nicht auch noch des Hamsterns verdächtig zu werden, waren Ideen gefragt. Und die Mitarbeitenden der Stiftung wurden kreativ – und fanden an vielen Stellen Unterstützung.

Jede Menge Wurst und Käse im Einkaufswagen, dazu 24 Liter Milch für 24 Menschen, die im Haus Gießerstraße des Heilpädagogischen Verbunds in Ratingen leben, ist eigentlich völlig normal. Jetzt allerdings offenbar nicht mehr: Bereichsleiter Christoph Schluckebier spricht von persönlichen Anfeindungen, die Mitarbeitende zu Beginn der Krise vor wenigen Wochen im Supermarkt plötzlich erlebt hätten. „Sie wurden genötigt, sich zu erklären“, berichtet er. Guter Rat war in diesem Fall allerdings nicht teuer, sondern kam kostenlos aus Mettmann.

Der Leiter der dortigen Werkstatt für angepasste Arbeit Benninghof der Evangelischen Stiftung Hephata habe um die Zustände in den Supermärkten gewusst – und einen Lieferdienst durch den Großhandel organisiert, freut sich Schluckebier.  „Dieser nimmt nun von uns Bestellungen entgegen und liefert kontaktlos in einen Vorraum im Wohnhaus“, sagt der Bereichsleiter. Das System schütze seine Mitarbeitenden und die Bewohner zusätzlich vor dem Virus, wenngleich es dem Inklusionsgedanken freilich zuwiderlaufe. „Aber wir machen das jetzt einfach so lange, bis es Entwarnung gibt.“

Bis es soweit ist, vertraut Bereichsleiter Frank Schwanz vom nahen Haus Haarbach Höfe auf ein anderes Prinzip: Die Verantwortlichen vom Ratinger Real-Markt zeigten großes Verständnis für die Situation – und stellen nun jedes Mal einen Marktmitarbeiter ab, der den Großeinkauf der Mitarbeitenden aus der Stiftung begleitet. Eine schöne Geste in schwierigen Zeiten.

Freundlichkeit statt schräge Blicke

Im LIDL-Markt an der Düsseldorfer Straße in Hilden gibt es zwar keinen Geleitschutz, aber einen äußerst entgegenkommenden Filialleiter, der alle Mitarbeiter über die Bedürfnisse von Natascha van Ekeris informiert hat. Sie ist die Hauswirtschafterin in den beiden Intensivwohngruppen Kido und Doki im Dorotheenviertel, für insgesamt 17 Personen kauft van Ekeris regelmäßig ein. Da sei der Einkaufswagen natürlich schnell voll, berichtet sie. Auch schräge Blicke hatte sie deswegen schon auf sich gezogen. Seit sie im Markt eine Bescheinigung der Graf Recke Stiftung, ganz offiziell mit dem Logo der Graf Recke Stiftung im Briefkopf, vorgezeigt habe, sei das vorbei. „Ich habe mich sehr gefreut, wie freundlich und bemüht seitdem alle sind“, sagt van Ekeris. Dem LIDL-Team wolle man nun auch noch ein Dankeschreiben zukommen lassen – genauso offiziell.      

Auch im von Annette Weirauch geleiteten Wohnheim in Kaarst gab es zunächst Probleme: „Wir bekamen schlicht kein Klopapier mehr“, erinnert sich Bezugstherapeutin Birgit Honnef. Die Einrichtung fährt seitdem dreigleisig: Zum Einkauf bei Aldi fahren die Mitarbeitenden nun ebenfalls mit einer Bescheinigung, fehlende Produkte besorgt man sich im Zweifel im 20 Kilometer entfernten Metro-Großmarkt in Düsseldorf. Dass die Kolleginnen und Kollegen in Corona-Zeiten in besonderem Maße zusammenstehen, haben Weirauch und Honnef allerdings ebenfalls bereits erlebt: Als es in Sachen Essen einmal eng wurde, nahm die Großküche der Graf Recke Stiftung an der Grafenberger Allee kurzerhand eine Bestellung aus dem Kaarster Wohnheim an.

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