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Ostergrüße übers Tablet und Winken vorm Balkon

Noch nie war das Telefon im Walter-Kobold-Haus so wichtig wie zurzeit: Um die Bewohner des Zentrums für Rehabilitation und Pflege in Düsseldorf-Wittlaer vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen, herrscht strenges Besuchsverbot. So wichtig diese behördliche Anordnung aus gesundheitlicher Sicht gerade für ältere Menschen ist – es ist auch eine Tragödie. Viele leiden darunter, ihre Angehörigen und Freunde nicht treffen zu können. Mit ihnen wenigstens telefonieren zu können, die vertrauten Stimmen zu hören, ist da ein kleiner Trost. Zu Ostern aber konnten einige ihre Familie auch zum ersten Mal seit Wochen wiedersehen. Zumindest auf dem Bildschirm.

Man habe vor den Feiertagen einen Tablet-Computer organsiert und zwei gängige Video-Chat-Programme installiert, berichtet Einrichtungsleiterin Birgit Kleekamp. Mit diesem gingen die Mitarbeitenden dann durchs Haus. So war es wenigstens einem Teil der Bewohnerinnen und Bewohner möglich, auch visuell Ostergrüße an ihre Liebsten zu übermitteln. Voraussetzung für diese Form der Kommunikation ist, dass auch die Kinder über die notwendige technische Ausstattung verfügen. Oder im Zweifel der eigene Partner.

Denn selbst für Eheleute, die nicht im selben Haushalt leben, gilt das Besuchsverbot. „Wenn sie aktuell keine Lebensgemeinschaft bilden, können sie sich nicht treffen“, erklärt Birgit Kleekamp. So sehr sie das bedauere, zu groß wäre die Gefahr, dass auf diesem Weg das Virus in die Einrichtung käme. Doch das gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Und so bleibt etwa für Anneliese und Helmut Klepsch derzeit nur der Gruß aus der Ferne: Er lebt im Walter-Kobold-Haus, sie im Service-Wohnen der Graf Recke Wohnen & Pflege, zum Glück aber ganz in der Nähe. Wenn Helmut dann vom Rollstuhl aus seiner Anneliese auf deren Balkon zuwinken kann, ist das ein kleiner Glücksmoment. Bekommen die Bewohner im Pflegezentrum Besuch, bleibt dieser draußen am Parkplatz stehen – und die Bewohner kommen zum Plausch ans Fenster.

Offen über Ängste sprechen

Christine Weyand vom Sozialtherapeutischen Dienst weiß, wie wichtig solche Begegnungen sind, wenn auch nur auf Distanz. Die Stimmung im Haus sei zwischenzeitlich sehr angespannt gewesen, nachdem verstärkt Meldungen in den Nachrichten kamen, dass zunehmend auch Altenheime vom Corona-Virus betroffen seien, berichtet sie. Die Sozialtherapeutin nahm das zum Anlass, mit den Menschen über deren Sorgen offen zu sprechen, auch über die Angst vor dem Tod. So langsam, sagt sie, hätten sich die meisten mit der Situation arrangiert.

Elisabeth Schäfer vermisst die Gespräche mit ihrer Familie.

Doch die vielen Gruppen-Aktivitäten, vom Singen bis zur Gymnastik, fallen jetzt weg. Auch das gemeinsame Essen im Speisesaal ist tabu. „Jetzt, wo nix passiert, merkt man erst mal, dass im Haus wirklich viel angeboten wird“, habe eine Bewohnerin vor kurzem festgestellt, berichtet Christine Weyand. Manche genießen sogar die Ruhe und machten es sich jetzt gemütlich. So wie Annegret Baum etwa. Sie sei ohnehin gern alleine in ihrem Zimmer, meint die Seniorin. „Ich hab ja alles hier, bekomme sogar den Kaffee ans Bett.“ Dem kann Helene Müllejans ebenfalls etwas abgewinnen: Sie freue sich, dass sie sich jetzt nicht mehr selbst versorgen muss, sondern versorgt werde, meint sie.

Elisabeth Schäfer hingegen leidet unter der Isolation. Sie vermisse die Besuche und Gespräche mit der Familie. Auch wenn sie nun viel telefoniert, das sei einfach nicht das Gleiche. Umso wichtiger sind für sie die Gespräche mit den Mitarbeitenden – und der Gang in den Garten bei schönem Wetter. Die Aufenthalte im Freien genießt auch Gerda Roelen sehr, die ansonsten viel mit ihren Söhnen telefoniert, von denen sie auch schon das eine oder andere Überraschungspaket bekommen hat. Nicht erst zu Ostern.

Schon ganz anderes überstanden

Maria Kuppe empfindet die Krise dagegen als „beängstigend“, wie sie bekennt. Ein wenig Trost finde sie in den Telefonaten mit der Familie sowie den Gesprächen mit den Mitarbeitenden. Auch der Besuch von Stiftungspfarrer Dietmar Redeker jüngst im Garten hat ihr gut getan. Und während Doris Haack im Corona-Virus ein Gottesurteil erkennt für die Menschheit, die übermütig geworden sei, sieht Armin Reinhartz-Fries das sehr viel gelassener: Er, der früher in der Aidshilfe gearbeitet und dabei viel Trauriges miterlebt hat, besiegte selbst bereits drei Mal den Krebs. „So werde ich auch die Coronakrise überstehen“, meint er. Gisela Hempel schließlich sieht das ganz ähnlich: „Wir haben schon ganz andere Zeiten überlebt“, betont sie. „Da habe ich jetzt keine Angst vor dem Virus.“

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