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"Sie sind ja total verpixelt!!!“ - Konfirmandenunterricht digital

„Hähä, Herr Redeker! Sie sind ja total verpixelt!“ schallt es aus dem Laptop-Lautsprechern. Eine andere Stimme erklingt: „Ich kann gar nix hören! Hallooo, hört ihr mich? … Hallo?“
So klingen die Tücken des Konfirmandenunterrichts in Coronazeiten.

Der Konfirmandenunterricht fällt derzeit aus. Jedenfalls gibt es keine Treffen live und in Farbe. Aber ich habe versucht, meine kleine Konfirmandengruppe per Videokonferenz zusammenzubekommen. Der Anfang war mühsam. Erst einmal mussten sämtliche Telefonnummern oder Mailadressen besorgt werden, dann natürlich die Eltern und die Erzieher gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Aber dann konnte es losgehen.
Zunächst versuchten wir es mit einem Messenger-Dienst. Aber das klappte nicht.
Dann stellte die Graf Recke Stiftung mir eine Lizenz des Anbieters GoToMeeting zur Verfügung. Hier können bis zu 200 Personen gleichzeitig konferieren - in Bild und Ton. „Das ist prima“, dachte ich, und schrieb den Konfirmanden, dass sie das Programm installieren sollen und wie Sie zu unserem Treffen dazu stoßen können.

Aber da ging es schon los: "Ich kann das Programm nicht installieren. Warum?" So klang einer der Hilferufe per Mail. Ein anderer Hilferuf: "Das WLAN ist so schlecht, ich krieg hier gar nichts hin. Was soll ich machen ?" Oder: " Ich habe das Programm installiert, aber wenn ich auf den Link drücke, dann wird alles schwarz. Was soll ich machen?"

Ich bin kein IT Spezialist. Mit meinen 58 Jahren gehöre ich auch nicht zu den Digital Natives. Dennoch bemühte ich mich nach Kräften, den Kindern zu helfen. Und dann war es soweit: Wir waren alle zusammen bei unserer ersten Video Konferenz! Fast alle – nur eine Konfirmandin nicht. Ganz altmodisch rief ich bei ihr zu Hause an um zu fragen, was los ist. Antwort: Ihr Handy war zu Boden gefallen und defekt. Nichts ging mehr.

„Nun gut“, dachte ich. „Dann machen wir eben ohne sie weiter.“ Aber anstelle eines gepflegten Gespräches in dieser Video Konferenz klang aus dem Lautsprecher Kindergeschrei und ein lautstarker Streit. Ich fragte den betreffenden Konfirmanden: "Was ist denn bei dir los?" Seine Antwort: "Ich kann nicht in meinem Zimmer sein, sondern muss hier vor dem WLAN-Router sitzen. Mitten im Flur. Und da ist es halt ein bisschen laut. Kann ich auch nichts für."

Aber am Ende haben wir uns dann doch eine Stunde lang unterhalten, uns darüber ausgetauscht, wie wir die Kontaktsperre erleben, ein Konfirmanden-Quiz gemacht, und Verabredungen für ein nächstes Treffen per Video getroffen. Und in dieser Woche, als dann die Ferien wieder vorbei waren, haben wir uns zur regulären Konfirmandenunterrichtszeit um 16:15 Uhr getroffen. Jeder hatte seine Konfi-Mappe bei sich liegen, und wir haben eine reibungslose digitale Unterrichtsstunde miteinander verbracht. Geht doch!

Stiftungspfarrer Dietmar Redeker 

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