Direkt zum Inhalt
Ein Jugendlicher aus Nigeria und ein Jugendlicher aus dem Irak stehen lächelnd nebeneinander.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UmF)

Wir nehmen minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung Erwachsener im Rahmen des § 34 SGB VIII (stationäre Betreuung) sowie § 42 (Inobhutname) auf und sind anerkannte Clearingstelle.

In unseren Gruppen und Appartments leben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ab 14 Jahren in fünf intensivpädagogischen Gruppen oder Verselbständigungsgruppen sowie einer Maßnahme der flexiblen Einzelfallhilfe.

Die Jugendlichen

Die minderjährigen Geflüchteten stammen aus Afghanistan, Albanien, Eritrea, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Indien, Irak, Iran, Liberia, Mali, Marokko, Nigeria, Senegal, Somalia und Syrien. Die grundsätzliche Zuordnung zur Kategorie der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UmF) geschieht zunächst aufgrund der Angabe des jungen Menschen, minderjährig zu sein, nachdem dieser von den Bundesbehörden registriert wurde. Danach erfolgt zunächst die vorläufige Inobhutnahme. Während dieser Zeit wird unter anderem ermittelt, ob es Verwandte gibt, die in Deutschland oder anderen europäischen Staaten leben, die den Minderjährigen versorgen und vertreten können. Nach der endgültigen Zuweisung in die Kommune erfolgt schließlich die Inobhutnahme durch das im Rahmen der Verteilung zugewiesene Jugendamt. Sowohl bei der vorläufigen- als auch bei der Inobhutnahme werden die minderjährigen Geflüchteten in einer Inobhutnahmeeinrichtung wie den unseren betreut und begleitet. Mit der Inobhutnahme bekommt der minderjährige einen Vormund gestellt.

Das Clearing

Während der Inobhutnahme wird das Clearing durchgeführt, bei dem ermittelt wird, welcher Hilfebedarf im Sinne der Jugendhilfe besteht und in die Wege geleitet werden soll. Es werden eine psychosoziale Begutachtung durchgeführt, die »Fluchtgeschichte« sowie die »Fluchtgründe« erarbeitet, die asylrechtlich relevanten Ereignisse beschrieben und eine Empfehlung erstellt. Vor allem wird der allgemeine Unterstützungsbedarf des jungen Menschen ermittelt und festgestellt, welche Wohn- und Betreuungsform der Jugendliche benötigt. Ein Clearing dauert in der Regel maximal drei Monate. Bisher konnten knapp 100 Clearings abgeschlossen werden.

Die Begleitung

Im Anschluss daran leben die Jugendlichen dann in einer ihrem Unterstützungsbedarf entsprechenden Wohnform. Dies kann von einer intensiv betreuten Wohngruppe bis hin zur Wohngemeinschaft mit sozialpädagogisch betreutem Wohnen gehen. In der Abschlussphase kann die Unterstützung auch durch ambulante Einzelfallhilfe in eigenem Wohnraum erfolgen. Insbesondere die traumatischen Erlebnisse aus den Herkunftsländern, vor allem aber auch auf der Flucht, machen häufig eine langfristige Unterstützung erforderlich. Wir kooperieren hier eng mit anderen Stellen, zum Beispiel mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Viele der bei uns untergebrachten Kinder und Jugendlichen leben in stationären Angeboten. Einige fanden zunächst einen Platz in unseren Intensivwohngruppen. Das liegt daran, dass sie in ihrem Heimatland und auf der Flucht dramatische Ereignisse erlebt haben und vielfach traumatisiert sind. Sie haben andere Menschen, die ihnen zum Teil nahe standen, auf der Flucht sterben sehen, sind in Ländern, die sie durchreist haben, misshandelt worden. Auch kommen sie meist aus krisenbelasteten Gebieten, großer Armut oder hochproblematischen familiären, politischen oder religionspolitischen Situationen. Die Jugendlichen haben großen Mangel bezüglich der Grundbedürfnisse erlebt: Hunger, Durst, keinen sicheren Ort. Die ärztliche Versorgung ist – nicht nur in der Zeit der Flucht – oft unzureichend gewesen. Deshalb benötigen sie eine besonders enge Begleitung – im Alltag, therapeutisch und auch medizinisch. Im Laufe der Betreuung wird im Rahmen der Hilfeplanung regelmäßig überprüft, ob die Hilfeform weiterhin so erforderlich ist oder ob eine andere Hilfeform angezeigt ist.

Die Verselbstständigung

Unsere Unterstützung kann auch über das 18. Lebensjahr hinaus gehen. Da die minderjährigen Geflüchteten häufig erst recht kurze Zeit vor ihrer Volljährigkeit nach Deutschland gekommen sind, ist ihre Möglichkeit der Entwicklung und damit die Möglichkeit zur erfolgreichen Integration recht kurz. Dies gilt insbesondere auch, da die Sprachbarrieren überwunden werden und die Jugendlichen Deutsch lernen müssen. Häufig macht dies eine Unterstützung über das 18. Lebensjahr hinaus erforderlich. Für viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist dann auch ein Wohnplatz in einem niederschwelligen Angebot mit Verselbständigungsausrichtung sehr gut geeignet. Die individualisierte Betreuung und starke Bedarfsorientierung kommen ihnen dort ebenso entgegen wie die Möglichkeit, sehr vieles in ihrem Alltag selbst zu bestimmen und zu entscheiden. Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, haben sie auf ihrer Flucht zwangsläufig gelernt, andererseits haben sie hier noch die notwendige Unterstützung.

Spenden für besondere Projekte

Die gemeinnützige Graf Recke Stiftung unterstützt mit ihrer Arbeit Menschen dabei, ihr Leben zu meistern und ihre individuelle Persönlichkeit selbstbestimmt zu entfalten. Für besondere Projekte außerhalb der Regelangebote freuen wir uns über Spenden. Bedarfe bestehen zum Beispiel bei der Ermöglichung von Teilhabe an Sportangeboten wie Fitnesscenter, von Vereinsmitgliedschaften etwa im Bereich Fußball, Ferienfreizeiten oder Ausflügen. Jede Spende, ob klein oder groß, kommt den jungen Geflüchteten zugute. Danke!

Sie wollen unsere Arbeit unterstützen? Weitere Informationen finden Sie im Infokasten.